Eienn wie üblich klaren Kurs fuhren die Biographen Filmer und Schwan auch bei ihrer Arbeit über den ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden. Die Autoren haben unter anderem auch Biographien über Johannes Rau und Roman Herzog geschrieben. Gründlich und von Anfang an haben sie den Lebensweg Lafontaines nachvollzogen. Er stammt aus kleinen Verhältnissen, wird christlich erzogen, seine Mutter spart die letzten Groschen um den Gebrüdern Lafontaine eine gute Schulausbildung zu ermöglichen. Bereits in der Schule bilden sich Lafontaines Stärken heraus: Gerechtigkeitssinn und Machtstreben. Die Autoren beschreiben, wie Lafontaine trotz seiner katholischen Erziehung in einem Konvikt den Weg in die SPD findet, seinen Durchmarsch in Führungsämter. Dabei spielt auch die private Seite Lafontaines eine Rolle, sein Studium in Bonn und Saarbrücken, die Frauen an seiner Seite. Faszinierend werden im zweiten Teil des Buches die Vorkommnisse hinter den Parteikulissen beschrieben, die Oskar Lafontaine an die Spitze des Saarlandes bringen und ihm schließlich die Kanzlerkandidatur ermöglichen. Die physischen und psychischen Folgen des Kölner Attentates vom 1990 nehmen einen großen Raum ein und erklären aus heutiger Sicht vielleicht erst den überraschenden Machtverzicht von 1999. Ebenfalls spannend und detailreich beschrieben ist die Phase von 1990 bis 1995 in der such Oskar Lafontaine aus Phasen tiefer Verletzung wieder an die Spitze der Partei gearbeitet hat.
Auch wenn Lafontaine nicht mehr zu ersten Garde gehört: Die Biographie gibt nicht nur einen Einblick in sein Leben sondern vermittelt auch wesentliche Grundzüge sozialdemokratischer Politik der achtziger und neunziger Jahre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)