"Mein Name ist Prinz Paradox" ist eine textliche Zusammenstellung verschiedener Werke von Wilde, die er während seiner erfolgreichen schriftstellerischen Laufbahn publik gemacht hatte. Szenen aus seinen pikanten Gesellschaftskomödien wie "Eine Frau ohne Bedeutung" oder "Lady Windermeres Fächer", Briefe Wildes an Kritiker, Journalisten oder seine Freunde, Auszüge aus seinem Werk "De Profundis" (sehr empfehlenswert), das er während der Absitzung seiner Zuchthausstrafe verfasste und vieles mehr, schmücken dieses kleine Büchlein, das zudem mit neun schwarz-weiß-Abbildungen Wildes verziert ist. Um Wilde, seine Gedanken und Vorstellungen, seinen Stil und Ausschnitte seiner Werke kennenzulernen und so vielleicht den Appetit angeregt zu bekommen, kann ich dieses Buch nur weiterempfehlen. Es hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen, nicht zuletzt da Oscar Wilde mein Lieblingsschriftsteller ist, sondern auch um seine zynischen Bemerkungen noch einmal vor Augen geführt und ein erfrischtes Bild von ihm wiederzuerlangen als Leser. Ich vergebe einen Stern Abzug, da ich finde, dass man Wildes Werke (z.B. Gesellschaftskomödien) ganz lesen sollte und nicht nur Teile, die wie hier, etwas wirr in diesem Buch aneinandergereiht sind, denn ein Werk von ihm durchgängig zu lesen ist ein wahrer Genuss und man versteht den Kontext, wohingegen hier nut Exzerpte auf die Seiten hingeklatscht sind. Erwähnenswert ist jedoch die Vielfalt und Varietät an Perspektiven über Wilde in diesem Buch: Ein Zeuge berichtet sogar, wie Wilde ihn unsittlich angefasst hätte und darum wurde ihm letztendlich ja auch der Prozess gemacht wegen homosexueller Handlungen, dann wiederum lässt sich ein Interview von Wilde vorfinden, der sehr exzentrisch und künstlerisch rüberkommt in seiner Argumentationsweise, genauso wie wir ihn schon als Schriftsteller kennen, so war er auch als Mensch: Ein permanenter Künstler. Dann gibt es andererseits noch Aphorismen von ihm, über die man immer wieder gerne schmunzelt, da sie genau ins Schwarze treffen, wie z.B.: "Der einzige Weg eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugeben", "Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten", "So etwas wie ein moralisches oder unmoralisches Buch gibt es nicht. Bücher sind entweder gut oder schlecht geschrieben. Weiter nichts." Insofern empfehlenswert für Wilde-Liebhaber oder Kennenlerner, jedoch immer unter Berücksichtigung, dass man seine Werke ganz gelesen haben sollte.
Dieser Text wurde von einer 18-jährigen verfasst.