Es hätte ein so bezaubernder Film über zwei außergewöhnliche Träumer werden können. Doch die wirkliche Tragik dieser Produktion liegt wohl darin begründet, dass sie sich zu sehr an die Buchvorlage von Peter Carey gehalten hat. So rutscht die Handlung, die zum großen Teil von dem unwiderstehlichen Charme ihrer Hauptdarsteller, Cate Blanchett und Ralph Fiennes (beide als Rotschöpfe getarnt) lebt und durch einen herrlich trockenen Humor gekrönt wird, in der letzten Viertelstunde zum Melodram ab und überschüttet den entsetzten Zuschauer mit gewaltsamen Szenen. Vergewaltigung, Mord und Verführung folgen Schlag auf Schlag und verursachen eine Verstörung, die auch durch den künstlich harmonischen Schluss nicht gemildert werden kann.
Erzählt wird die Geschichte zwei liebenswerter Außenseiter. Da ist einmal Oscar Hopkins, der Sohn eines englischen Geistlichen mit extrem strengen Glaubensansichten. Oscar hat durch ein Kindheitstrauma eine Wasserphobie. Als Heranwachsender entschließt er sich gegen den Willen seines Vaters, zu einem Theologiestudium der anglikanischen Glaubensrichtung. Während seines Studiums lernt er den lebenslustigen Wardley-Fish kennen, der ihn mit einer gefährlichen Leidenschaft bekannt macht: dem Glücksspiel. Oscar wird bald zum Glückspieljunkie. Da er über einen siebten Sinn zu verfügen scheint und ein sicheres Händchen für Würfel und Karten beweist, klingelt das Gold in seinen Taschen. Um sein Gewissen zu beruhigen, behält der leidenschaftliche Spieler nur das Nötigste für sich und spendet eifrig den Armen. Doch ob diese Taktik ihn wirklich vor dem Höllenfeuer bewahrt?
Auf der anderen Seite des Kontinents wächst die Träumerin, Lucinda Leplastrier, auf einer Farm in Australien auf. Ihre schöne, heile Welt bekommt unversehens ins Schwanken, als nach dem Tod ihres Vaters auch ihre Mutter verstirbt und testamentarisch den Verkauf des Grundstückes festlegt. Lucinda macht sich mit einem großen Barscheck auf die Reise. Ihre kindliche Leidenschaft für Glas erwacht unversehens, als sie an einem Firmengebäu-de einer Fabrik das Verkaufsangebot erspäht. Der angehende Reverend Dennis Hasset (Ciaran Hinds "
Jane Eyre") ist ein Experte in Sachen Glas und erhält bald Besuch von der ungewöhnlichen, aber sehr entschlossenen Dame. Fortan widmen sich beide dem Aufbau der Glasproduktion und es entsteht eine Freundschaft. Allerdings kann Hasset die Einsamkeit aus dem Herzen von Lucinda nicht ganz vertreiben und so sucht sie sich eine sehr aufregende, aber ziemlich skandalöse Freizeitbeschäftigung: dem Glückspiel! Hasset ist entsetzt, als er vom Hobby seiner Vertrauten erfährt. Er selbst wird kurz darauf in das Hinterland von Australien geschickt, um dort als Geistlicher zu wirken.
Durch eine Seereise versucht sich Lucinda abzulenken und beschließt um ihres Seelenfriedens wegen eine Beichte abzulegen. Leider hat sie sich dazu ausgerechnet den seeuntüchtigen Oscar ausgewählt, der sich gezwungenermaßen auf der Überfahrt nach Australien befindet und bei Eintritt in Lucindas Zimmer sogleich deren Spielkarten entdeckt. Anstatt zu beichten und dem Spiel zu entsagen, sind die beiden binnen kurzem eifrig in ihre Karten vertieft. Dann kommt allerdings Sturm auf und Oscars versagende Nerven sorgen für einen gesellschaftlichen Skandal. Wenige Zeit darauf begegnen sich die zwei verwandten Seelen erneut und schließen langsam ein Band, auch wenn die feine Gesellschaft über die ungleiche Beziehung die Nase rümpft. Oscar kommt jedoch zu der Überzeugung, dass Lucinda den Geistlichen Hasset liebt, nachdem sie sich heimlich verzehrt. Um dennoch ihr Herz zu gewinnen, entschließt er sich zu einer ungewöhnlichen Wette. Er eröffnet Lucinda den wahnwitzigen Plan, eine gläserne Kirche ans Ende der Welt zu transportieren, damit Hassets Gemeinde ein Gotteshaus besitzt. Da der Wasserweg nicht in Frage kommt, soll die Fahrt durch das unwirtliche Hinterland Australiens gehen. Eine größenwahnsinnige Idee mit katastrophalen Folgen...
Es ist unglaublich, wie es die Hauptdarsteller bewerkstelligen eine außergewöhnliche Seelenverwandtschaft darzustellen. Mimik und Gestik von Cate Blanchett und Ralph Fiennes stimmen perfekt überein. Die Szene, als die Freunde selbst zu Bürste und Wischlappen greifen, da auch die letzte Dienstbotin wegen dem skandalösen Verhalten ihrer Arbeitgeberin das Haus verlassen hat, und in einen spielerischen Putzwettbewerb eintreten, ist unbestritten köstlich und einfach unwiderstehlich. Die roten Haare stehen den beiden auch sehr gut zu Gesicht, auch wenn die Symbolik hier mehr wie durchschaubar ist.
Auch die schauspielerische Leistung von Ciaran Hinds ist positiv zu vermerken, der hier den Ehrenmann mit dem strengen Moralkorsett sehr eindrucksvoll wiedergibt.
Die Kameraeinstellungen sind sehr präzise und das Auge wird mit stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen und eindrucksvollen Kostümen. Auch der Ton ist glasklar und die Hintergrundmusik sehr passend ausgesucht.
Wer sich mit der sich gegen Ende heftig entwickelten Tragik arrangieren kann, der wird diesem Film sicher sehr genießen können. Allle anderen werden den Filmschluss doch sehr bedauern oder sich vielleicht dazu entschließen, auf dieses kleine Meisterwerk der Schauspielkunst zu verzichten.