Aus der Amazon.de-Redaktion
Illies' Ortsgespräch ist kein Lamento! Im Gegenteil führt uns der Genrationsgolfer mit seinem Büchlein sehr beschwingt an die Quelle seiner literarischen Inspiration und Methode: Wo nämlich etwas verschwindet, entsteht zugleich immer auch etwas Neues, das uns daran gemahnt, des Verschwundenen zu gedenken, das aber dereinst selbst auch wieder verschwinden wird, damit man sich irgendwann dann auch daran wird erinnern können: "Wenn ich beim Nachhausekommen nach Schlitz bei der Tankstelle in den Ort biege, blitzt schon das nächste Blau um die Ecke. Es ist das Blau des Schlecker-Marktes, der da ist, wo früher der dicke Metzger Lüders mit seiner weißen Schürze immer morgens um elf Uhr vor der Tür stand und eine Zigarre rauchte, bevor er sich seinem nächsten Schwein zuwandte. In jedem Ort Deutschlands ist ja Schlecker dort, wo früher etwas anderes war, Metzger oder Bäcker oder Kurzwarenhändler."
An jedem Ort graben sich in das Gedächtnis eines jeden ähnliche Erinnerungen ein, wie sie uns Illies aus seinem Schlitzerland berichtet. Und deshalb werden viele (Stamm-)Leser dem Autor dankbar sein, dass er "ihre" Erinnerungen gleichsam stellvertretend für sie aufschreibt. Ortsgespräch knüpft damit nahtlos an die beiden überaus erfolgreichen Generation-Golf-Bücher an. Wer diese mit Vergnügen gelesen hat, wird auch diesmal nicht enttäuscht. Und für andere Leser wird Illies wohl auch in Zukunft nicht schreiben. -- Andreas Vierecke
kulturnews.de
Pressestimmen
"Bekannte bezeichnen Florian Illies als 'Philantropen', er selbst sagt von sich, dass er unserer Gegenwart gerne auf den Grund geht. Er beobachtet, fasst zusammen, urteilt selten (ausser bei 68ern). Seine Thesen, die seit'GG1'das öffentliche Vokabular prägen, kommen in ihrer flotten, subtil selbstironischen Schreibe eher wie Vorschläge daher, sympathisch, weil frei von Besserwisserei." (NZZ am Sonntag)
Kurzbeschreibung
Hat Florian Illies in GENERATION GOLF seiner Generation einen Namen gegeben, so gibt er in ORTSGESPRÄCH unserer Heimat ein Gesicht. Mit scharfsichtigem Blick voller Neugier, Humor und Empathie enthüllt er die liebenswürdigen Skurrilitäten der deutschen Provinz. Ziel seiner Reise ist das Städtchen Schlitz, das sich mit urwüchsiger Hartnäckigkeit erst dem Kaiser, dann den Russen und schließlich auch der neuen Zeit widersetzte eine Reise in die Heimat, von der wir nicht aufhören können zu träumen.Eingebettet in die bewaldeten Hügel und sattgrünen Wiesen des Fuldatals liegt ein schmuckes kleines Städtchen. Es hat einen stillgelegten Bahnhof, eine Post, ein Heimatmuseum und die größte Kerze der Welt. Die Kirche ist aus dem Jahre 812 und die Pizzeria von 1985. Dieser Ort heißt Schlitz. Er steht exemplarisch für den schönsten aller Orte: Heimat. Jenen Ort, gegen den wir uns oft wehren wollen, aber nicht wehren können. Unsere Verbindung wird gehalten.ORTSGESPRÄCH erzählt von der Liebe zum Landleben und zu dem sagenhaften Zwischenreich der deutschen Provinz, von der Erinnerung an Schwimmbadwiese und Karnevalssitzung, an den Schreibwarenladen um die Ecke und die Apfelernte im Herbst. Aber natürlich geht es nicht nur um die Traumbilder der Vergangenheit, sondern auch um die Veränderungen der Gegenwart. Um unheimliche Klassentreffen und »Total Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe«. Darum, wie Heimat dem Selektionsdruck im global village manchmal standhält und ihm manchmal umso hoffnungsloser ausgeliefert ist.Hat er in seinen letzten Büchern die vergangenen Melodien und Marken seiner Generation beschrieben und bewahrt, so bündelt Illies nun die Schrullen und die Lebensweisheiten, die Landeier und die Helden seines Heimatlands zu einer mitreißenden Telenovela. In ORTSGESPRÄCH macht er sich auf den Weg, um eine Welt fern der City-Tarife und der Starbucks-Kultur für uns zu erforschen und ein landauf, landab diskutiertes Thema zu erfassen: die Heimat im Wandel. Ein nostalgischer, aber nicht verklärter, ein ironiefunkelnder, aber nicht spöttischer Reisebericht von einem der meistgelesenen Autoren seiner Zeit und einem der scharfsichtigsten Beobachter des Landes.
Klappentext
Die Welt
"Das Buch ist süffig wie klug, populistisch wie originell, eben ganz der Vorgänger."
Welt am Sonntag zu GG 2
"Florian Illies' 'Ortsgespräch' ist ... ein Buch mit maximalem Wiedererkennungseffekt. Die Vorstellung, dass irgendetwas am eigenen Leben individuell sei und nicht typisch, wird man sich nach der Lektüre getrost abschminken. ... Das hat natürlich auch etwas mit Florian Illies' Art, die Welt zu beschreiben, zu tun, mit den Dingen, die er in den Blick nimmt. Man könnte auch sagen: Florian Illies ist der größte lebende Zustimmungserheischer. Und zwar auf völlig anstrengungslose Weise. ... Erst jetzt, schreibt Illies, könne er mal punkten mit seinen Jugendjahren als Landei. Und in der Tat punktet er damit. Liebenswürdigkeitspunkte vor allem sind es, die er einheimst. ... Florian Illies ... ist wild entschlossen, Heimat nicht als Ort der Enge, Zurückgebliebenheit und neurotischen Sozialkontrolle zu beschreiben, sondern ihr als einer Oase der Entschleunigung einen versöhnten Lobpreis zu singen. Denn Illies ist ein Idylliker von Format. Dass das negative, das schwarze Bild der Wirklichkeit automatisch das wahrere ist, diesem intellektuellen Reflex unterliegt er nicht. Und so erzählt er voller Anhänglichkeit von der Brummfliege, die mit den ersten Sonnenstrahlen ihren dröhnenden Flug durch das Schlafzimmer startet ... Am Ende des Buches wünscht man sich auch eine Kindheit in Schlitz. ... Und so liest man dieses Buch mit dem Wohlgefühl geteilter Erinnerung - und fragt sich nur manchmal, ob es nicht doch ein bisschen Ressourcenverschwendung ist, soviel Witz, Beobachtungsgabe und sprachliche Intelligenz zu verwenden, um ausgerechnet die Brummfliege von Schlitz ins Bild zu setzen."
Iljoma Mangold, Süddeutsche Zeitung