Die Orthomolekulare Medizin repräsentiert einen Zweig der Ernährungsmedizin der sich speziell mit Vitaminen und anderen lebensnotwendigen Nährstoffen in der Vorbeugung und begleitenden Therapie von Erkrankungen beschäftigt, die überwiegend auf eine falsche Ernährung zurückgeführt werden können. Vitamine, Mineralstoffe, Amino- und essentielle Fettsäuren zählen mit ihren vielfältigen biochemischen und physiologischen Funktionen, zu den interessantesten Stoffen, die unser Organismus zur täglichen Lebens- und Leistungsfähigkeit benötigt. Wer sich umfassend über diese Mikronährstoffe, ihren präventiven und adjuvanten Einsatz in der Behandlung chronisch-degenerativer und ernährungsabhängiger Krankheiten wie Arteriosklerose, Krebs, Diabetes mellitus, Osteoporose, Rheuma etc. informieren möchte, dem kann das vorliegende Buch Orthomolekluare Medizin – ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte empfohlen werden.
Der Leitfaden ist in vier Teile gegliedert. Im Allgemeinen Teil werden neben einem Kapitel über Ernährung und ernährungsbedingten Krankheiten, zentrale Begriffe, Definitionen und Ziele der Orthomolekularen Medizin vorgestellt. Den weitaus größten Umfang des Buches nehmen die Monographien der einzelnen Mikronährstoffe im anschließenden Hauptteil ein. In übersichtlicher und kompakter Form erfolgt eine genaue Darstellung der Vitamine, Vitaminoide (z.B. L-Carnitin), Mineralstoffe und Spurenelemente, Antioxidanzien, W-3- und W-6-Fettsäuren sowie der Aminosäuren. Neben möglichen Anwendungsgebieten - unterstützt durch aktuelle Studien und Dosierungsangaben - wird bei jedem einzelnen Nährstoff auf die physiologische Bedeutung, die Ursachen und Symptome eines Mikronährstoffmangels, sowie Gegenanzeigen und Wechselwirkungen eingegangen. Auch noch relativ unbekannte Nährstoffe wie Bor, Vanadium oder Taurin werden vorgestellt. Der Autor legt Wert darauf durch Querverweise Verbindungen zu anderen Mikronährstoffen und assoziierten Stoffwechselprozessen herzustellen. Hervorzuheben sind neben der ausführlichen Darstellung des Vitamin C, die Monographien der Spurenelemente Selen und Zink, des Vitaminoids L-Carnitin, der essentiellen Fettsäuren und auch der Aminosäuren: L-Arginin, Stickstoffmonoxid (NO) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die antioxidative Schutzfunktion des N-Acetylcysteins (NAC) und seine Bedeutung bei Erkrankungen des Immunsystems wie AIDS oder Krebs, L-Tryptophan und der therapeutische Einsatz bei Depressionen oder Schlafstörungen, um nur einige der hier vorgestellten Aminosäuren und ihre therapeutische Anwendung in der orthomolekularen Medizin zu erwähnen. In einem eigenen Kapitel über Antioxidanzien werden die Zusammenhänge zwischen freien Radikalen, oxidativem Stress und der Entwicklung moderner Zivilisationskrankheiten erklärt. Auch die pathophysiologische Bedeutung eigenständiger Risikofaktoren wie Homocystein und Lipoprotein (a) im Bereich der Kardiologie wird berücksichtigt. Der Leitfaden schließt mit einer ausführlichen Darstellung der orthomolekularen Therapie klassischer Krankheitsbilder wie Arteriosklerose, AIDS, Krebs, Diabetes mellitus, Katarakt, Osteoporose, Prämenstruelles Syndrom, Rheuma etc.. Die gute Gliederung, ein Glossar sowie ein umfangreiches und informatives Sachregister erleichtern die praktische Nutzung des Buches.
In seiner komprimierten und übersichtlichen Form enthält der Leitfaden unter anderem auch viele Anregungen für die adäquate Beratung von Patienten, die sich im Rahmen der Selbstmedikation selbst behandeln wollen. Insgesamt kann der vorliegende Leitfaden allen empfohlen werden, die sich mit Mikronährstoffen beschäftigen – sei es im Bereich der ärztlichen Praxis, der Apotheke oder der allgemeinen Ernährungsberatung.
Dr. med. Andrea Vogt, 2001.