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32 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Poetischer Dampfhammer, 15. Januar 2007
Ein neues Waits Album? Jahrelange Gerüchte in der Szene, Spekulationen, Vermutungen, welch anderer Künstler kann bei seinen Hörern derartige Reaktionen hervorrufen? Ich war gar nicht mal so gespannt. Waits begleitet mich von Anfang an. Und ich erwartete nicht all zu viel. Nicht, dass der Meister mich nicht mehr an den Lautsprecher bannen würde, aber: Der Stoff aus dem die Träume sind, der wird bei Waits, zumindest seit er trocken ist, nur noch in ziemlich kleinen Dosen verabreicht. War Closing Time noch ein stiller Anfänger und Rain Dogs oder Bone Machine geniale Kultalben, so kam nach Mule Variations eine Art Wende. Waits wurde experimentierfreudiger und die basslastigen, emotionalen, von seiner einzigartigen Stimme geprägten Stücke verschwanden fast ganz von den Silberlingen. Alice oder Real Gone brachten Neuigkeiten, die faszinierend aber, jedenfalls für mich, nicht immer hundertprozentig gefühlsecht waren. Jetzt kommt Orphans als eine Art Sammelsurium verlorener, seltener, zur Seite gelegter Stücke daher und raubt einem vom ersten Augenblick an den Atem. Ein poetischer Dampfhammer der dich von den Füssen haut und in eine Art berauschter Trance versetzt. Wenn das, was auf diesen drei CDs zu hören ist, so eine Art Ausschussware mit B-Seiten-Potential war, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Früher begrüßte ich jedes Waits Album mit einem Glas in der Hand und dem Lautstärkeregler ganz weit rechts. Da vibrierten die Knochen im Leib und das Herz ging ganz weit auf. Bis jetzt dachte ich, dass diese Gefühle der Vergangenheit angehören...Wie schön kann es sein, wenn man sich irrt. Orphans ist eine stimmige Trilogie des vielleicht kreativsten Künstlers der Musikszene der vergangenen Jahrzehnte. Es gibt Schriftsteller, deren Worte einem wie Musik vorkommen und es gibt Waits, dessen Musik einem wie eine spannende Geschichte unter die Haut geht. Die Genreaufteilung in die CDs Brawlers, Bawlers und Bastards ist stil- und passgenau. Waits blättert seine Facetten mit unnachahmlicher Präsenz vor uns auf und wir müssen einfach zuhören. Ehe ich mich noch mehr verliere und vor Begeisterung Purzelbäume schlage, die Anspieltipps: Never let go, Down there by the train, 2:19 und Fish in the Jailhouse. Das sollte reichen, um sehr viel Lust auf mehr zu bekommen. Zu einem berauschenden Akustikgenuss kommt bei Orphans noch hinzu, dass einige wirkliche Raritäten in der Box vorhanden sind, nach denen sich mancher Sammler schon seit Jahren die Finger leckt. Ich bin kein Hellseher oder Musikwissenschaftler, allerdings wage ich schon jetzt zu behaupten: Orphans ist ein Stück Musikgeschichte für die Ewigkeit. Diese Box wird halten und Standards setzen für alles, was danach kommt. Mag sein, dass ich mich wieder irre, aber wer weiß das schon...
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30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
jeder stimmung gerecht, 25. Dezember 2006
man kann nicht alle 3 cds in einem durchhören, aber deswegen sind es auch 3 cds! - auf der anderen seite ist für jede waits-stimmung etwas dabei. die erste scheibe bedient den nach-vorne-geschmack. kein thema: mit einem glas scotch kann man dazu solo tanzend zuhause abhotten. das wäre die "brawlers". dann gibt es noch die zweite cd "bawlers", und hier wähnt man sich am besten an der bar eines sinkenden schiffes, leichte schlagseite, die kellnerin ist schon im rettungsboot, aber irgendwie hat man die band noch überzeugt ein paar stücke zu spielen und man hat noch eine letzte happy-hour... wunderbar! und weil es zum glück auch noch "bastards" gibt, die 3. cd, wird zudem die literarisch-künstlerische seite waits-musikalisch bedient. somit ist "orphans" nicht nur ein weiteres goldenes sammlerstück für die alten waitsianer, sondern eignet sich auch hervorragend zum einstieg into the world of waits.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klotzen statt kleckern: Tom Waits veröffentlicht ein Hauptwerk., 19. November 2006
Spannend, was Tom Waits da zusammengebraut hat! Was auf den ersten Blick wie ein Karriererückblick wirkt, entpuppt sich beim Studium der Songliste (56 Titel!) als eine höchst faszinierende Mischung aus old and new, borrowed and blue(s). Immerhin 30 Songs wurden für Orphans neu eingespielt, der Rest sind echte Waisenkinder, Songs die seit langer Zeit auf Compilation und B-Sides verbuddelt, für andere Musiker geschrieben oder einfach irgendwo im Keller verschollen waren, teilweise im Original, teilweise neu eingespielt.
Um uns mit dieser Wagenladung an kaum bis gar nicht Bekanntem nicht zu überfordern, hat Waits die versammelten Schätze netterweise thematisch auf die 3 CDs gepackt. CD1, Brawlers, bringt gitarren- und blueslastigere Stücke die, grob gesprochen, im Bone Machine Stil daherrumpeln und das traditionelle Panoptikon der Waitsschen Gestalten gekonnt um einige weitere Eigenbrötler und Sonderlinge erweitern. CD2, Bawlers, dürfte die Traditionalisten unter den Waitsianern am meisten freuen, findet sich hier doch eine Sammlung jener steinerweichenden, oft am Piano eingespielten Balladen, wie sie Waits vor seinem Abdriften in lärmigere und experimentellere Gefilde so unnachahmlich aus dem Ärmel schüttelte. Die spannendste CD ist aber die dritte, Bastards, mit Songs die, wie der Titel andeutet, nirgendwo so richtig dazugehören. Hier finden sich vorwiegend experimentellere Stücke, Shanties, sardonische Sprechtexte, Vertonungen von Kerouac und Bukowski, ein faszinierender Monolog über die ekligeren Eigenschaften diverser fieser Insekten und einige höchst amusante Anekdoten.
Die meisten Songs der quer duch alle 3 von Waits Stimme und Vision (und bewährten Kräften wie Marc Ribot, Larry Taylor, John Hammond, Ralph Carney, Greg Cohen und Michael Blair) zusammengehaltenen CDs stammen wie üblich von Waits/Brennan. Dazu gibts aber auch noch diverse höchst eigenwillige Versionen diverser Werke von Leadbelly bis Ramones plus ein paar Traditionals, die Waits sich so zu eigen gemacht hat, dass selbst Kenner zur Identifikation schon mal die Credits konsultieren müssen.
Und als ob das alles nicht genug wäre, gibts Orphans auch noch als limtierte Auflage mit einem dicken Buch (fast 100 Seiten) voller Texte und Photos, die sich heuer unter so manche Weihnachtsbaum gut ausnehmen würde, sowohl für altgediente Fans als auch als Einführung in das Werk eines der eigenständigsten und unverwechselbarsten Musiker unserer Tage Empfehlung!
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