Spannend, was Tom Waits da zusammengebraut hat! Was auf den ersten Blick wie ein Karriererückblick wirkt, entpuppt sich beim Studium der Songliste (56 Titel!) als eine höchst faszinierende Mischung aus old and new, borrowed and blue(s). Immerhin 30 Songs wurden für Orphans neu eingespielt, der Rest sind echte Waisenkinder, Songs die seit langer Zeit auf Compilation und B-Sides verbuddelt, für andere Musiker geschrieben oder einfach irgendwo im Keller verschollen waren, teilweise im Original, teilweise neu eingespielt.
Um uns mit dieser Wagenladung an kaum bis gar nicht Bekanntem nicht zu überfordern, hat Waits die versammelten Schätze netterweise thematisch auf die 3 CDs gepackt. CD1, Brawlers, bringt gitarren- und blueslastigere Stücke die, grob gesprochen, im Bone Machine Stil daherrumpeln und das traditionelle Panoptikon der Waitsschen Gestalten gekonnt um einige weitere Eigenbrötler und Sonderlinge erweitern. CD2, Bawlers, dürfte die Traditionalisten unter den Waitsianern am meisten freuen, findet sich hier doch eine Sammlung jener steinerweichenden, oft am Piano eingespielten Balladen, wie sie Waits vor seinem Abdriften in lärmigere und experimentellere Gefilde so unnachahmlich aus dem Ärmel schüttelte. Die spannendste CD ist aber die dritte, Bastards, mit Songs die, wie der Titel andeutet, nirgendwo so richtig dazugehören. Hier finden sich vorwiegend experimentellere Stücke, Shanties, sardonische Sprechtexte, Vertonungen von Kerouac und Bukowski, ein faszinierender Monolog über die ekligeren Eigenschaften diverser fieser Insekten und einige höchst amusante Anekdoten.
Die meisten Songs der quer duch alle 3 von Waits Stimme und Vision (und bewährten Kräften wie Marc Ribot, Larry Taylor, John Hammond, Ralph Carney, Greg Cohen und Michael Blair) zusammengehaltenen CDs stammen wie üblich von Waits/Brennan. Dazu gibts aber auch noch diverse höchst eigenwillige Versionen diverser Werke von Leadbelly bis Ramones plus ein paar Traditionals, die Waits sich so zu eigen gemacht hat, dass selbst Kenner zur Identifikation schon mal die Credits konsultieren müssen.
Und als ob das alles nicht genug wäre, gibts Orphans auch noch als limtierte Auflage mit einem dicken Buch (fast 100 Seiten) voller Texte und Photos, die sich heuer unter so manche Weihnachtsbaum gut ausnehmen würde, sowohl für altgediente Fans als auch als Einführung in das Werk eines der eigenständigsten und unverwechselbarsten Musiker unserer Tage Empfehlung!