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5.0 von 5 Sternen
Furioser Mittelalterroman, 2. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Orlando furioso. (Broschiert)
Bei diesem Buch sollte man sich vorab ein wenig mit den Fakten beschäftigt haben, um den Inhalt komplett verstehen zu können. Ich will nicht sagen, dass es überaus schwierig geschrieben und zu lesen ist, aber man sollte als Leser schon mit der Materie vertraut sein. Daher empfehle ich, sich mit Orlando Furioso zu beschäftigen und dann das Buch von Thomas R. P. Mielke zur Hand zu nehmen. Ich kann euch sagen, das ist ein literarischer Leckerbissen...
um es euch, als Leser meiner Rezension ein wenig einfacher zu machen und etwas vorweg zu nehmen möchte ich euch kurz mit einigen interessanten Hintergrunddaten vertraut machen:
Hintergrundinfos:
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Orlando Furioso ist eine Oper von Antonio Vivaldi. Diese Oper ist nach der literarischen Vorlage von Ludovico Ariosto geschrieben und heißt Der rasende Roland".
Bradamante und Angelica sowie Orlando sind auch hier die handelnden Personen. Die Zauberin Alcina ist eine weitere Figur aus der historischen Romanvorlage. Orlando ist in Angelica verliebt, diese aber liebt auch Medoro. Alcina will durch ihre Zauberkraft die beidenzusammenbringen und auch für sich und auch für sich und Ruggerio, der der Geliebte Bradamantes ist, die Lieber herbeizaubern. Bradamante wehrt sich gegen deren Zauber und Angelica und Medoro wollen heiraten. Dies ist für Orlanda sehr schlimm und er wird wahnsinnig, als er dies erfährt. Die Statue des Zauberers Merlin muss daran glauben. Er weiß aber nicht, was er damit angerichtet hat, er hat mit dieser Zerstörung auch Alcinas Macht gebrochen. Bei wikipedia steht zu lesen: Er erkennt, dass wahre Liebe nur zu erreichen ist, wenn man dem Liebeswahn entsagt." - und besser kann ich das auch nicht ausdrücken.
Ich hatte das Buch schon länger im Regal, vor einiger Zeit habe ich mich rangewagt und bin alles andere als enttäuscht worden. Es war ein Genuß, diesen tollen spannenden mittelalterlichen Roman zu lesen. Mielke hat den historischen Stoff aufgegriffen und ihn - ich möchte sagen - neu und modern erzählt.
von Anfang bis zum Ende Spannung pur. Unterschiedliche Charaktere, die die Geschichte tragen und von ihr getragen werden.
Personen:
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Angelika: Prinzessin von Cathay in China
Astolf: Prinz von England
Bradamante: Gräfin von Marseille
Orlando: Graf von Brava an der Dordogne, Ritter und gleichzeitig Neffe Karls des Großen
Rinaldo: Graf von Montalban, Heerführer Karls des Großen
Ruggiero: Sarazenenheld
Inhaltsangabe das Buch von Thomas R. P. Mielke und gleichzeitig meine Meinung zum Buch:
Orlando ist der erste Ritter (Paladin) Karls des Großen. Er ist der Held, aber aus tragischer Sicht gesehen, der Minne. Angelica ist die Prinzessin von Cathay, die Tochter des Königs von Cathay. Sie wird als wunderschön bezeichnet. Wie auch in der historischen literarischen Vorlage ist Orlando nicht der Einzige, der für diese Frau schwärmt...
Mielke zeigt in seiner Wiederaufarbeitung des historischen Stoffes das Grundgerüst, so wie man es aus dem alten Buch von Ludovico Ariosto kennt und aus der Oper, aber er schreibt es irgendwie modern und eingängig zu lesen.
Dieses atemberaubende Historienspektakel hat mich fasziniert und in seinen Bann gezogen. Ich habe schon einige Bücher von Mielke gelesen, aber dieses ist wohl eines seiner Besten möchte ich meinen.
Die Liebe spielt eine große und tragende Rolle in der Romanhandlung, die der Autor sehr spannend aufgebaut hat. Hexen, Dämonen und auch Feen wandeln durch die Handlungund machen diese so überaus mystisch und faszinierend. Aber auch kriegerische Auseinandersetzungen spielen eine Rolle. Die sarazenischen Krieger und die Ritter Karls des Großen kämpfen gegeneinander. Die Sarazener bedrohen das Frankenreich.
Das Ende ist fulminant und ein Feuerwerk der Liebe. Die gesamte Handlung, die von Liebe, Macht, Krieg und Kämpfen, Abenteuer und Rivalität nur so sprüht, wird am Ende unvergleichlich und meisterhaft aufgelöst.
Ich habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen. Im Vorfeld habe ich mich belesen bezüglich des historischen Gehalts des Stoffes, welchen Mielke im Buch neu aufbereitet hat und wusste so schon ein wenig über die Hintergründe bescheid, ich denke, das hat mir gut geholfen, die Handlung von Anbeginn zu verstehen und aufnehmen zu können. Die Hintergründe beschreibt der Autor aber so gut, bildhaft und leicht verständlich, dass man sie auch ohne vorherige Information und Recherche versteht, wenn man sich noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
Ein historischer Roman erster Güte, den man hier als Leser vor sich hat. Mielke schreibt ihn besonders zu Herzen gehend, aber auch auf historischen Recherchen beruhend, sehr bildhaft, eingängig, flüssig zu lesen. Man fühlt sich in die Mittelalter- und Minnezeit versetzt, kann sich die imposanten Szenen und Details besonders gut vorstellen und vor Augen führen.
Ich möchte an dieser Stelle eine kurze Leseprobe einfließen lassen:
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Sie war bereits ein Stück entfernt, ehe Ferragu bemerkte, dass der Helm nicht mehr am Buchenzweig hing. Er sprang sofort aus Orlandos Reichweite.
Was soll das?" schrie er. Wo ist der andere, der eben noch hier zusah? Und wofür schlagen wir uns eigentlich noch, wenn der Helm als Siegespreis verschwunden ist?"
Orlando sah sich um, starrte auf die leeren Zweige und erkannte, dass der Spanier recht hatte. Der König von Circassien musste den Helm genommen haben, während er mit Ferragu um die Trophäe kämpfte. Er wurde rot vor Wut und gab seinem Hengst die Sporen. Ferragu auf seinem Pferd folgte ihm augenblicklich. Sie hatten Glück und fanden gleich die Spuren im Gras. Hier sind sie beide entlanggeritten", rief Orlando dem Spanier zu. Ich nehme den Weg ins Tal hinunter, denn diese Spuren hier gehören zu dem Pferd von König Sakripant." Dann reite ich bergauf", antwortete Ferragu sofort. ...
Am Beginn des Buches ist eine Liste der wichtigsten Personen und die Zusammenhänge aufgeführt. Am Ende hat der Leser nochmals die Möglichkeit, eine komplette alphabetische Auflistung der handelnden Personen nachzulesen.
Hierbei wird die Orlande-Handlung und die Zeit von Ariost separat berücksichtigt.
Auch eine doppelseitige Karte ist im Anhang zu finden.
Der Rasende Roland" (wütend, rasend, eifersüchtig, wahnsinnig) ist schon über 500 Jahre bekannt. Dieses Spektakel ist sehr unterhaltsam und Mielke schafft es auf seine eigene Art und Weise nochmals einen draufzusetzen" ...
Das Buch ist fantastisch, mystisch, rätselhaft, sagenumwoben, von Verwicklungen und Kämpfen durchdrungen, aber auch irgendwie eine Kritik an der Zeit, innerhalb derer die Handlung sich abspielt. Man lernt als Leser auch sehr viel Historisches hinzu. Nicht alle Personen aus der Urfassung hat Mielke übernommen, er hat auch Teile weggelassen, um das Buch irgendwie, wie ich finde, spannender und nicht langatmig wirken zu lassen. So, wie das Resultat seiner Neufassung am Ende für uns Leser vorliegt, finde ich, besser hätte es nicht werden können.
Ich bin begeistert von der Umsetzung des Stoffes und empfehle diesen historischen Thriller" für Mittelalterfans, Geschichtsfans und Mielke-Fans sowieso.
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Ein Ameisenhaufen, 5. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Orlando furioso. (Broschiert)
Vorweg sollte ich feststellen, dass ich die Lektüre kurz nach der Hälfte abgebrochen habe.
"Orlando furioso" ist ein "historischer" Roman, ursprünglich das Werk des Renaissance-Schriftstellers Ariost, T. Mielke hat es neu aufbereitet. Historisch ist allerdings nicht der Inhalt, sondern der Roman selbst, mit tatsächlichen Ereignissen hat die "Handlung" wenig bis gar nichts zu tun.
Überhaupt kann man von einer Handlung im engeren Sinne eigentlich nicht sprechen. Der Roman besteht vielmehr aus einer Sammlung unzusammenhängender Einzelepisoden, durchlebt von einer verwirrenden Vielzahl an Charakteren, die Lektüre gleicht dem Betrachten eines Ameisenhaufens.
Dies ist auch der Grund dafür, dass ich nach der Hälfte aufgegeben habe, nachdem ich zur Erkenntnis gelangte, dass alles bisherige nicht als Präludium für eine sich aufzubauende Handlung dient, sondern vielmehr die Sammlung dieser völlig belanglosen, kleinen Einzelabenteuer die "Handlung" ist. Karl der Große und sein Kampf gegen die muslimischen Invasoren bilden lediglich einen losen Rahmen.
Ausserdem sind diese Kleinabenteuer in ihrer Ausformulierung sehr knapp gehalten, ihr telegrammartiger Stil erinnert mehr an Xenophons Anabasis oder die lieblos hingeworfene Questbeschreibung eines Online-Rollenspieles, als an einen Fantasy-Roman.
"Ariost bricht mit allen Schreibregeln des Aristoteles, die selbst in Hollywood noch immer als einzig wahre Rezeptur für erfolgreiche Romane und Filme gelten" schreibt Mielke im Nachwort. Dazu kann ich nur sagen, Aristoteles Regeln gelten vollkommen zu Recht, während "Orlando furioso" ebenso zu Recht in der Versenkung der Geschichte verschwunden ist. Meiner Meinung nach hat sich Mielke keinen Gefallen damit getan, ihn wieder auszugraben.
Wenn sich die im Nachwort angesprochene "fröhliche Leichtigkeit von Ariost" im Fehlen einer Handlung und in unausgebauten Charakteren (deren Beschreibung sich oft genug im Namen erschöpft) manifestiert, kann ich ein Werk nicht für empfehlenswert halten, auch wenn es 500 Jahre alt ist. Man müsste wohl eine Hofdame der italienischen Renaissance sein, um Gefallen an diesem Werk zu finden, und eben solche waren auch das ursprüngliche Zielpublikum.
Wer also einen historischen/fantasy-Roman mit spannender, gut durchdachter Handlung sowie interessanten, gut ausgebauten Charakteren sucht, der sollte eher die Finger von Orlando lassen. 1 Stern von mir, immerhin ist es ein Buch.
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