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Tilda Swinton, die die Titelrolle spielt, ist als Frau um einiges überzeugender als in dem männlichen Teil ihrer Rolle. Trotzdem ist ihre Passivität und Ausdruckslosigkeit auch in der zweiten Hälfte des Films zum Teil noch enervierend. Sally Potter hat Tilda Swinton dazu ermutigt, direkt in die Kamera zu spielen. Die daraus resultierenden beiseite gesprochenen Passagen und die an uns gerichteten Blicke können in gewissen Momenten amüsant sein, doch oft wirken sie bedeutungslos oder sogar störend, als mache sich der Film über sich selbst lustig. Aber trotz allem, die gewollten Eigenheiten und das bewusste Understatement des Films bringen das Projekt nie ganz zum Kentern. Und wenn man sich einmal der Logik der Filmemacherin hingibt, wird man von dem panoramischen Schwung der Kameraarbeit (zu den herausragenden Sets des Films gehört eine aristokratische Schlittschuh-Party auf der gefrorenen Themse während des großen Londoner Frosts von 1603, eine überwältigende Zelt-Karawane in Zentral-Asien und unzählige verschwenderisch ausgestattete Boudoirs und andere Innenräume) hingerissen sein. Orlando ist kein Merchant-Ivory-Film wie Zimmer mit Aussicht oder Was vom Tage übrig blieb, kein zimperliches, schnell zu vergessendes Ausstattungsstück. Dieser Film hat Biss und erwischt einen meistens dann am härtesten, wenn man es gar nicht erwartet. Orlando basiert zwar auf Virginia Woolfs gleichnamigen Klassiker der literarischen Moderne, hat aber insgesamt wenig Ähnlichkeit mit dem Roman. --Miles Bethany
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"der längste und bezaubernste Liebesbrief der Literatur",
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Orlando [VHS] [UK Import] (Videokassette)
"Orlando: A Biography" wurde als eine Huldigung an Virginia Woolf's Freundin und Geliebte Vita Sackville-West geschrieben. Die Handlung folgt Orlando's Wandlung von einem 16jährigen Edelmann am elisabethanischen Hof durch die Epochen bis zur Neuzeit, wobei er nebenbei nach einem tiefen Schlaf das Geschlecht ändert und zur Frau wird: "Same person, no difference at all. Just a different sex."'Gender' wird als eine instabile Kategorie gezeigt und die scheinbar naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden als Farce enttarnt. Der Film setzt hier durch 'cross-dressing' Virginia Woolf's Roman(-biographie) genial um: Tilda Swinton verliebt sich als Hofmann unsterblich in die russische Prinzessin Sascha, Quentin Crisp ist eine faszinierende Besetzung für Königin Elisabeth I und Jimmy Somerville's Gesang passt zu dem Konzept von Androgynität. Sally Potter's fantastische filmische Umsetzung ist mit seinen herrlichen Kostümen und Ausstattung ein wunderbarer ästhetischer Genuss und eine Verfilmung, die dem Humor, der Vielschichtigkeit und der Bedeutung der literarischen Vorlage gerecht wird. Über 25 Preise auf internationalen Festivals und eine Oscarnominierung würdigten diese Leistung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
26 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Surreal,
Von
Rezension bezieht sich auf: Orlando (DVD)
Kurz vor ihrem Tod im Jahr 1600 vermacht Königin Elizabeth I. dem schönen jungen Höfling Orlando einen Landsitz unter der Bedingung, dass er niemals altern und welken dürfe. Dieser Wunsch wird zum Schicksal Orlandos. Vergeblich bemüht sich dieser Mensch ' zunächst als Mann, ab dem 18. Jahrhundert dann als Frau ', Spuren zu hinterlassen. Orlando bleibt einsam, ohne Liebe, ohne Freunde und sehnt sich nach Sterblichkeit.Aus dem 1928 von Virginia Woolf veröffentlichtem surrealen Roman "Orlando. Die Geschichte eines Lebens", einem feinsinnigen und ideenreichen Fantasiewerk mit Anspielungen auf den Lebenslauf ihrer Freundin Vita Sackville-West, machte Sally Potter einen ganz besonderen Film. Inhalt: 1600, Tod: Orlando (Tilda Swinton) lebt mit seinen Eltern (John Bott, Elaine Banham) am Hof der englischen Königin Elizabeth I. (Quentin Crisp). Vor ihrem Tod im Jahr 1600 vermacht die greise Monarchin dem schönen jungen Aristokraten einen Landsitz unter der Bedingung, dass er niemals altern und welken dürfe. 1610, Liebe: Zehn Jahre nach dem Tod der Königin verliebt Orlando sich während eines strengen Winters in Alexandra ("Sascha") Menschikowa (Charlotte Valandry), die hübsche Tochter des Moskowiter Botschafters (Viktor Stepanov), aber die junge Frau spielt nur mit seinen Gefühlen. Als das Eis bricht und die Russen abreisen, fällt Orlando in einen tiefen Schlaf. Ratlos stehen die Ärzte an seinem Bett. 1650, Poesie: Nach sechs Tagen erwacht Orlando. Er gibt dem von ihm bewunderten Poeten Nick Greenes (Heathcote Williams) eigene Gedichte und möchte seine Meinung darüber hören. Der eitle Geck redet Orlando zunächst nach dem Mund, aber nur, bis er von ihm eine Leibrente herausgeschlagen hat. Danach verhöhnt er seinen Mäzen in einem Spottgedicht. 1700, Politik: Orlando geht für zehn Jahre als englischer Botschafter in die Türkei und befreundet sich dort mit dem Khan (Lothaire Bluteau). Gerade als ihm Erzherzog Harry (John Wood) im Auftrag von Königin Ann einen Orden überbringt, bricht in der Türkei zum Entsetzen Orlandos ein Krieg aus. Erneut fällt er in eine lange Ohnmacht, und als er erwacht und in den Spiegel schaut, stellt er fest, dass er nun eine Frau ist. 1750, Gesellschaft: Orlando befindet sich wieder in England und beteiligt sich widerstrebend an einer Konversation, bei der es darum geht, möglichst geistreiche Sotissen auszuteilen. Weil nur Männer etwas besitzen können, will man ihr das Landhaus wegnehmen. Als Erzherzog Harry ihr einen Heiratsantrag macht, flieht Orlando durch ein Labyrinth. 1850, Sex: Nach einer Liebesnacht mit Shelmerdine (Billy Zane) erhält Orlando Besuch von zwei Polizeibeamten, die ihr erklären, ein Gericht habe entschieden, dass ihr Besitz einem männlichen Nachfahren vorbehalten sei. Shelmerdine reitet allein los; er will nach Amerika und sucht nach Freiheit. Schwanger irrt Orlando in einem Krieg herum. Geburt: Orlando fährt Motorrad. Ihre kleine Tochter (Jessica Swinton) sitzt im Beiwagen. Orlando hat einen Roman über ihr Leben geschrieben, lässt nun die Vergangenheit los und ist keine Gefangene ihres Schicksals mehr. "Orlando" ist ein opulent ausgestatteter, wunderbarer Kinofilm mit episodenhafter Struktur. Die edlen Bilder sind von außergewöhnlicher Ästhetik, bleiben jedoch immer etwas distanziert, als ob Sally Potter gefühlvolle Reaktionen der Zuschauer vermeiden wollte. Tilda Swinton ist schlichtweg die Idealbesetzung der androgynen Titelrolle. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Britische Androgynität,
Rezension bezieht sich auf: Orlando (DVD)
Der englische Adelsmann Orlando (Tilda Swinton) durchreist angefangen vom Elizabethanischen Zeitalter bis ins 20. Jahrhundert die einzelnen Epochen der britischen Historie. Als Günstling der Queen vermachte ihm Elizabeth I. (Quentin Crisp) einst auf dem Sterbebett ein Anwesen unter der Bedingung, dass Orlando nicht altern darf. Mit dem Wandel der Zeit ändern sich trotz ewiger Jugend für Orlando die Umstände, was schmerzhafte Verluste mit sich bringt. Auf die erste Liebe folgt die erste Trennung. Er bereist die Welt und wird auf den unterschiedlichsten Gebieten tätig. Zwischendurch wechselt er schließlich auch das Geschlecht und verliert dadurch seine Standesprivilegien. Das ewige Dasein ermöglicht es Orlando, die Dinge aus den unterschiedlichsten Perspektiven und Erfahrungen heraus zu sehen. Eine Fähigkeit die Orlando von allen anderen unterscheidet. So mündet die krampfhafte Suche nach einem Platz in der Gesellschaft in der befreienden Emanzipation von deren Zwängen.Virginia Woolfs Roman Orlando ist nicht nur ein großes Plädoyer für Toleranz und individuelle Freiheit, sondern auch bekannt als längster Liebesbrief der Literaturgeschichte an die Schriftstellerin Vita Sackville-West, mit der Woolf eine längere Liebesbeziehung einging. Unterteilt wird die Handlung ausgehend vom Jahr 1600 in die einzelnen Episoden Tod, Liebe, Poesie, Politik, Gesellschaft, Sex und Geburt. Tilda Swinton spielt Orlando mit markanter Mimik und einer fast schon hypnotisierenden zeitlosen Androgynität. Dabei macht Regisseurin Sally Potter durch raffinierte Einstellungen und intime Nahaufnahmen den Zuschauer quasi zu Orlandos Komplizen, indem sie Swinton öfters ironische Kommentare direkt zur Kamera sprechen lässt. Auch die kammerspielartige Atmosphäre der einzelnen Szenen kolportiert eine voyeuristische Distanz zu den Geschehnissen. Die Geschlechterrollen fließen wie auch bei Woolf aus den unterschiedlichen Ebenen allmählich ineinander (Orlando nackt vor einem Spiegel: "Derselbe Mensch, überhaupt kein Unterschied, einfach nur ein anderes Geschlecht"). Unter diesem Aspekt wurde schließlich auch das Cast besetzt: Quentin Crisp gibt Elizabeth I. eine fast schon surreale Note. Charlotte Valandrey als erste Liebe Sasha sieht Billy Zane als spätere Liaison Shelmerdine verblüffend ähnlich. Und auch Popsänger Jimmy Somerville fügt sich mit einem Cameo-Auftritt als singender Engel mit hohem Falsett in dieses Schema ein. Die Ausstattung und die Kostüme sind opulent, aber ohne pompös zu wirken. Das Bild dieser DVD ist gezeichnet von sehr unscharfen und grobkörnigen Texturen sowie grellen Kontrasten, was gerade bei großen Bildschirmen arg ins Auge sticht. Das Format ist 1,85:1. Die Tonspur liegt in Dolby Surround auf Englisch und Deutsch vor. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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