Ich erinnere mich an ein Interview mit Phil Collins in den frühen 80ern, indem er auf die ewigen Vorwürfe, Genesis hätten sich so überaus "frevelhaft" von Prog zu POP verwandelt, so ermüdet wie nachdrücklich antwortete: "Junge, es ist viel schwieriger, einen perfekten 3-Minuten-Song zu schreiben als sich 27 Minuten lang auszutoben." Man mag nun von ihm halten, was man will, aber damit hat er Recht. Slowtide beweisen es. Slowtide könnten alle hören. Eltern, Kinder, Kindeskinder. Slowtide könnten auf WDR 2 ebenso Erfolge feiern wie auf Eins Live. Ihre Songs berühren zutiefst und sind zugleich leicht zugänglich; sie sind zeitlos elegant arrangiert und zu 100% Pop, aber niemals schmierig oder sich schnell abnutzend. Man glaubt nicht, dass dies ein Debüt sein soll. Hätten Nada Surf oder Travis dieses Album geschrieben, man wäre nicht überrascht. Doch Slowtide sind anders, eigen. Niemand singt wie Werdelmann, mit dieser präzisen Klarheit und zugleich diesem melancholischen wie lebensfreudigen Erstaunen über die Welt. Man kann das nicht beschreiben. Man ist zutiefst überrascht, das schlichter Gitarrenpop eine solche Klasse haben kann. Geheimtipp und bei diesem winzigen Plattenlabel zutiefst unterstützenswert. Damit wir diese Band vielleicht doch mal im Radio hören...