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© Jazz thing - Frank Eckert -- Jazz thing (04/02)
England im September 2001. Gerade wurde die The-Streets-Debütsingle "Has It Come To This?" auf die Top-Rotation des Tonträger-Kaufimpulsgebers Radio One gestuft. Im streng chartorientierten Konsensmix erregt der dokumentarische UK-Garage/HipHop-Hybrid zwischen den anderen Neuvorstellungen Kosheen und Sophie Ellis-Bextor schnell das Missfallen von BBC-Chef-Schaumschläger Chris Moyles. Noch während der Sendung zitiert der Populismus-gestählte Rundfunk-Proll seinen Musikredakteur ins Studio, um ihn mit den ihm eigenen Mitteln (Häme, aufgeblasene Verständnislosigkeit) abzustrafen. Als dieser den On-Air-Diss "What kind of embarassing shit is this?" mit einem knappen "I think, it's pure genius" kontert, ist die Stimmung vor Millionen Radiohörern auf dem Tiefpunkt. Schnell spielt die Technik Afroman ein, um die Situation zu entschärfen.
Auslöser der Kontroverse ist Mike Skinner. Aufgewachsen in der uncoolsten UK-Metropole Birmingham, lebt der 22jährige nun in London, wo er mit nur einer Single ein komplettes Genre revolutioniert. Das Konzept ist einfach: Das Ein-Mann-Movement Streets feiert nicht den markenbewussten Heissa-Hossa-Jetset-Lifestyle und die gewaltaffine Gang-Mentalität anderer UK-Garage- und (darf ich's sagen?) 2-Step-Protagonisten. Vielmehr berichtet Skinner in bester Bedsit-Producer-Tradition vom Abhängen in den unglamourösen eigenen vier Wänden, name-checked dabei Narkotika, Spielekonsolenhersteller und Telekommunikationsanbieter. Auf dem Debütalbum unterlegt er seine Straßenlyrik mit grobgeschnitzten Beats und respektlos gecutteten Streicher- und Pianosamples. Ganz nebenbei liefert er dabei zitierfähiges Material für ca. eineinhalb Jahre NME-Headlines. Angesichts eines derartigen Authentizitätsüberschusses droppt die UK-Presse in Reviews bereits Namen wie Bob Dylan und Specials.
Klar - das ist nicht "blink" und hat herzlich wenig mit dem tittenschwingenden Designerwear-Nightlife zu tun, der UK Garage in England für champagnerschlürfende Medienvertreter zur attraktiven Abendzerstreuung werden ließ. Was könnte diese also anno 2002 mehr schockieren als Stories über picklige Disco-Schlangensteher, Billig-Sauftouren und stubenhockende Playstation-Junkies? MEINE Sympathien hat der junge Mann: Mike Skinner ist kein Global Player, hasst Clubculture und war bis vor kurzem der Ansicht, der UK-Garage-Major-Hangout Ayia Napa befände sich in Spanien. Das Album des Jahres.
Jürgen Dobelmann / Intro - Musik & so
mehr unter www.intro.de -- INTRO
Aber "Original Pirate Material" ist anders. Es liegt einfach an der perfekten Kombination der veerschieden Stile. Gnadenlos werden dann die Samples in den Song geschmissen, vermeintlich teilweise völlig unpassend, in Wirklichkeit in Perfektion.
Und dann diese Texte!
Dieses Album hat bei mir etwas bewirkt, was ich schon jahrelang nicht mehr gehabt habe:
Wenn man "The Streets" hört und im Anschluss etwas anderes, dann fühlt sich das ganz komisch an. Man denkt dauernd "da passt was nicht, da fehlt doch was".
Ich kann nach den Streets kaum noch ohne längere musik-freie Unterbrechung was anderes an meine Ohren lassen, denn den Vergleich würde es nicht überstehen.
Das darf man mit Fug und Recht als genial bezeichnen.
Wir sind drin. Lesen Sie weiter...
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