Das Kuba der Jahrhundertwende bietet eine faszinierende Kulisse für die tragische Erzählung von einer großen Liebe, abgrundtiefer Abscheu und verzweifelter Angst. Michael Christofer hatte eigentlich das Glück, für seine 2001 erschienene "Original Sin" mit Antonio Banderas und Angelina Jolie eine Idealbesetzung zu finden.
Dennoch gab es mehr Kritik als Lob - im gleichen Jahr hatte die Comic-Verfilmung "Lara Croft" die junge Jolie tief in die Schub-Lade "heiß, aber uncool" rutschen lassen. Zu tief, als dass das Publikum und leider auch mancher Kritiker die großartige Leistung in diesem packenden Liebesdrama angemessen hätten würdigen können. Bei Banderas standen vielleicht beim ein- oder anderen, der ihn bei Almodóvar als leidenschaftlichen Männer-Liebhaber erleben durfte, Fragen nach der tatsächlichen Präferenz im Raum.
Luis Vargas (Antonio Banderas, damals 41) hat sich mit einer Kaffee-Plantage auf Kuba eine solide Existenz aufgebaut. Zu seinem Glück fehlt noch eine Frau. Über ein Inserat lernt er Julia Russell kennen. Bald weiß er den Charakter der Brieffreundin zu schätzen. Sie willigt ein, ihn zu heiraten, und macht sich auf den Weg. Völlig überraschend trifft jedoch eine exotische Schönheit ein (Angelina Jolie, damals 26), die Luis Herz im Sturm erobert.
Doch das Glück währt nicht lange. Bald stellt sich heraus, dass die Braut eine Heiratsschwindlerin ist - sie nimmt das Geld des Gatten und lässt den verliebten Luis verzweifelt zurück. Doch Luis gibt nicht auf - er forscht nach der Betrügerin und stöbert sie mitten im Karneval in Havanna auf...
Weder Antonio Banderas noch Angelina Jolie haben es nötig, mit aufgesetztem erotischem Getue emotionale Defizite zu überdecken - ein seltener Glücksfall bei Top-Schauspielern. Dass die uralten Mächte von Liebe, Abscheu und Eifersucht zum wiederholten Male einem Film zugrunde liegen, spielt keine Rolle - denn genau das ist ja ein Thema, welches uns alle zutiefst fasziniert. Es wird wohl immer wieder Menschen geben, die nicht in die Reihe bekommen, dass ein professioneller Darsteller mal große Liebe (mal mit Männern, mal mit Frauen...) und dann wieder Zorro spielen kann - den Jolie-Fall habe ich bereits einleitend angesprochen - was soll man machen? Aber:
Nicht nur für ausgeprochene Fans von Banderas und/oder Jolie ist dies ein packender und ergreifender Film, der von erotischer Spannung nur so knistert. Das soll natürlich nicht heißen, dass es sich nicht lohnen würde, auch nochmal die alte Verfilmung mit Deneuve und Belmondo anzuschauen.
Im Original 116 Minuten, Format 2,35:1 auf 35 mm Film, DTS|SDDS (IMDB)
jury 5* A0293 2.2.2010e 7 A