Tim Buckley (Vater von Jeff Buckley), war ein enorm kreatives, sensibles und auch exzentrisches Genie, das uns eine vielfältige Anzahl von Alben hinterlassen hat. Und was für Alben! Die Emotionalität war durchweg enorm und die Bereitschaft für neue Einflüsse ein ebenso allgegenwärtiges Merkmal seiner künstlerischen Visionen. Das sein Leben auch von vielen Schattenseiten begleitet wurde, begründete eine einzigartige als auch tragische Karriere. Tim Buckley leuchtete in einer seltenen Intensität und verglühte zuletzt auch daran.
Hier sind seine ersten 5 Werke von 1966-1970 versammelt und sie repräsentieren sowohl jene Ära, als auch eine ureigene Magie und Zeitlosigkeit, die diesen Musiker einzigartig machen. Diese Musik ist sicherlich nicht für jeden geeignet, zumal sie sowohl eine gewisse Hingabe erfordert, als auch genügend Zeit oder Hör-Anläufe, bevor man wirklich ganz in dieser Parallelwelt angekommen ist.
- Das Debutalbum ist praktischerweise am zugänglichsten. Man findet darauf eine Art Folkrock (ähnlich wie bei den Byrds), der sehr empfunden und dringlich daherkommt. Man spürt schon in dieser frühen Phase, dass Buckley um besondere Arrangements bemüht ist und nach einer eigenen Ausdrucksweise sucht. Sein Gesang ist ohnehin nicht von dieser Welt. Man findet hier viel ungebremste Leidenschaft, die nicht immer die vollkommene Form findet. Dies fällt bei der Authenzität des Ganzen aber kaum ins Gewicht. Das Album ist in jedem Moment mitreißend und bewegend.
- "Goodbye and Hello" beschwört dann schon eine deutlich eigene Klangwelt. Auch hier werden Essenzen aus dem Folk(-rock) verwendet, jedoch münden diese in neue Formen. Es gibt psychedelische Momente und erste kunstvolle Experimente aber vorallem die "Balladen" werden hier bereits in einer Form dargeboten, die großartige Wechselbäder der Gefühle erzeugen. Ein großer Schritt voran, auch in Sachen Abgeklärtheit.
- Auf "Happy Sad" wird dies noch gesteigert. Hier gibt es viele Longtracks mit extrem vereinahmenden Stimmungen. Tim Buckley scheint seine Mitte gefunden zu haben und findet zu extremster Ausdruckskraft. Er singt sich mit völligem Selbstverständnis absolut frei. Ob in stillen oder expressiven Momenten - hier wird man Teil einer regelrechten Offenbarung. Für mich klingt diese Platte auch irgendwie europäisch. In ihrer meditativen Versunkenheit entstehen eigenwillige, romantische Klangbilder.
- "Blue Afternoon" - Diese CD war bis jetzt eine ABSOLUTE RARITÄT! Endlos teuer und vergriffen. Es ist fast schon grotesk, dass man sie mal "so nebenbei" hier in einer Box rausbringt. Sammler auf der ganzen Welt warten schon ewig auf eine separate Wiederveröffentlichung. Immerhin ist sie somit wieder erhältlich.
Musikalisch sind auf diesem Werk eindeutig jazzige Einflüsse auszumachen(vorallem die "Kind of Blue"-Phase von Miles Davis). Und diese fügen sich zu einem superben Gesamten. Das Album hat sehr starke balladeske Züge und klingt angenehm entspannt. Ein Klassiker und daher umso unverständlicher, warum es solange zurückgehalten wurde.
- "Lorca" belehnt auch Aspekte des Jazz, doch hier wird es etwas heftiger. Zu der Zeit war Buckley vom aufkeimenden Freejazz begeistert und versuchte dieses Lebensgefühl in seine Klangwelt zu integrieren. Das Ergebnis ist schwierig zu beschreiben. Es gibt sehr sperrige Momente und auch viel Katharsis. Teilweise wird extrem hemmungslos musiziert. Das wird nicht jeder sofort goutieren können. Aber es lohnt sich dem Ganzen eine Chance zu geben, finde ich. Sicher kein Album für alle Tage, aber es gibt Momente, in denen passt es eben doch genau. Wer Tim Buckley bis dahin lieben gelernt hat, wird ihm vermutlich auch (irgendwann) an diesen schrägen Ort weiter folgen wollen. Ich habe es jedenfalls nicht bereut :-)
Fazit: Ein ganz schöner Happen an vielschichtigem aber auch edelstem Material, auf dieser 5er Box. Bereits das vorhandene "Blue Afternoon" rechtfertigt hier schon so gut wie alles. Aber auch der sehr feine "Rest" ist eine willkommene Gelegenheit, sich diesem fantastischen Künstler endlich einmal ausgiebig zu widmen und ihn zu entdecken. Ein absolutes Muss, wenn auch ein sehr anspruchsvolles!
5 Sterne und viel Freude an jene die sich dafür öffnen!