"Original Album Classics" ist eine Serie, in der jeweils fünf Alben eines Künstlers zu einem Box-Set zusammengestellt sind. Die Aufmachung ist einheitlich: Jede CD befindet sich in einer verkleinerten Kopie der originalen LP-Hülle. Die Reproduktion des Drucks scheint gegenüber mir bisher vorliegenden Ausgaben dieser Serie aus den Bereichen Pop, Rock und Jazz mit größerer Sorgfalt durchgeführt worden zu sein, - selbst umfangreiche und klein gedruckte Texte lassen sich mit der Lupe einwandfrei lesen. Außerdem ist ein kleines Booklet beigelegt, welches Angaben zu Titel, Spielzeit, Orchester bzw. Solisten enthält.
Pierre Boulez ist ein französischer Komponist, Dirigent und Musiktheoretiker, der als Komponist der musikalischen Avantgarde zuzurechnen ist. Seine Arbeiten als Dirigent zeichnen sich durch saubere rhythmische Strukturen aus. Mir begegnete er erstmals auf einem Musik-Sampler zur Geschichte der französischen Musik und auf "
Boulez Conducts Zappa-the Perfect Stranger", einem Album, für das er drei Kompositionen von Frank Zappa mit dem Ensemble InterContemporain eingespielt hatte.
"Boulez conducts Bartók - Concerto For Orchestra" (1973), eingespielt mit dem New York Philharmonic Orchester, enthält die letzte Komposition des Ungarn Béla Bartók. Von den fünf Sätzen des Werkes haben der erste und letzte Satz die Form einer Sonate. Die übrigen Sätze folgen keiner traditionellen Form, sondern enthalten Themen, die wie an einer Kette aneinander gereiht sind.
"Pierrot Lunaire, p. 21" (1978) von Arnold Schönberg ist die erste von zwei mir bekannten Einspielungen dieses Werks durch Pierre Boulez. Das Stück basiert auf dreimal sieben Strophen aus "Pierrot Lunaire" des Belgiers Albert Giraud, die von Otto Erich Hartleben ins Deutsche übersetzt worden waren. Stilistische Merkmal ist der Sprechgesang, hier umgesetzt von der Sopranistin Yvonne Minton. Die Musik ist atonal und folgt noch nicht dem Zwölfton-Schema, - dieses sollte von Schönberg erst acht Jahre nach dem Entstehen dieser Komposition entwickelt werden. Interessant ist die Vielzahl von Zahlenspielereien, die die Struktur dieses Stückes herausfordert.
"Pli Selon Pli" (1969) von Pierre Boulez ist ein Stück für Solo-Sopran und Orchester und ist der seriellen Musik zuzuordnen. "Pli Selon Pli" entstand über einen längeren Zeitraum (1957-1962) und erfuhr auch später noch einige Änderungen, weshalb diesen Aufnahmen auch noch zwei weitere Einspielungen unter Boulez selbst folgen sollten. Die Stimme, wie ein weiteres Instrument eingesetzt, gehört Halina Lukomska, weitere Solisten sind Maria Bergmann, Klavier, Paul Stingl, Gitarre, und Hugo D'Alton, Mandoline. Als Orchester fungiert das B.B.C. Symphony Orchestra.
"Maurice Ravel" (1984) ist eine Sammlung von (Kunst-) Liedern ebendieses französischen Komponisten. Boulez dirigiert hier das B.B.C. Symphony Orchestra, bzw. das Ensemble InterContemporain ("Chansons Madecasses"). Solisten sind die Sopranistinnen Heather Harper, Jill Gomez und Jessye Norman und der Bariton José van Dam. Der Plattentext ist sehr ausführlich und geht auf jedes der Lieder ein, die Liedtexte liegen allerdings nicht bei.
"Boulez Conducts Berg" (1979) enthält die "Lulu-Suite" und "Der Wein" des österreichischen Komponisten Alban Berg. Berg hatte die Regeln der Zwölfton-Musik für sich erweitert und damit zusätzliche kompositorische Möglichkeiten geschaffen. Die vorliegenden Aufnahmen wurden vom New York Philharmonic Orchestra eingespielt, "Lulu's Song" und das Adagio der Suite singt die Sopranistin Judith Blegen, "Der Wein" Jessye Norman.
Die Zusammenstellung ist gelungen, die Tonqualität gut.