Die Orientierung verlieren - das kommt in der Praxis ziemlich selten vor. Deshalb benutzen auch nur wenige Outdoor-Sportler einen Kompass oder gar ein GPS-Gerät, auch wenn das Letztgenannte allmählich in Mode kommt. Geräte zur Orientierung und Kursbestimmung sind wie eine Versicherung: Wer Glück hat, muss ihre Leistungen nicht in Anspruch nehmen, im Ernstfall ist man ohne sie jedoch ziemlich "aufgeschmissen". Daher bricht der Autor vor allem für den Kompass eine Lanze.
Liest man das Buch, was sich für Freunde von Outdoor-Aktivitäten sehr empfiehlt, so begreift man schnell, dass es sich dabei nicht um übertriebene Vorsicht handelt. Nebel oder Dunkelheit, vielleicht auch ein dichter Wald können die Orientierung auf längere Sicht erschweren oder gar unmöglich machen. Ein aus der Karte nicht ersichtliches Hindernis - nach Erfahrung der Rezensentin nicht unbedingt ein seltenes Ereignis - kann den vorgesehenen Kurs unmöglich machen und zu einem Unweg über unbekanntes Terrain zwingen. Treten solche unvorhersehbaren Schwierigkeiten auf, so ist der glücklich, der einen Kompass oder gar ein GPS-Gerät dabei hat - und auch damit umgehen kann!
Daher legt der Autor nicht nur viel Wert darauf, den Nutzen solcher Geräte zu erläutern, sondern vor allem auf eine praxisnahe Darstellung. Was beim ersten Durchlesen, wie der Autor selbst zugibt, entsetzlich kompliziert wirkt, wird rasch zur Routine, wenn man die entsprechenden Geräte bei der Hand hat und einsetzt. Möchte man freilich anhand des Buchs erst einmal herausfinden, inwiefern sich eine solche Anschaffung lohnt, so kann die Lektüre entmutigen.
Trotzdem möchte ein Leser, der gewillt ist, zur Orientierung die genannten Geräte einzusetzen, sicherlich die theoretischen Grundlagen nicht missen, denn ohne sie lässt sich die Funktionsweise nicht verstehen und das Gerät folglich auch nicht optimal nutzen.
Viele Skizzen und Fotos tragen zur Praxisnähe bei, sie unterstützen auch regelrechte "Planspiele", die verschiedene Szenarien bis hin zum "worst case" durchspielen. Auf mögliche Fehler wird stets eingegangen, ebenso wie auf Vor- und Nachteile verschiedener Modelle der Geräte. Verwirrend mag auf den Anfänger wirken, dass die Missweisung (siehe oben) stets eine bedeutende Rolle in den Texten zum Kompass spielt, auch wenn sie derzeit im vermutlich hauptsächlich als Ziel dienenden Mitteleuropa ohne Relevanz ist, wie man im Buch mehrfach erfährt.
Was das GPS angeht, so dient dieses Buch dazu, dessen Gebrauch zur Positions- und Kursbestimmung zu erläutern; für weitere, moderne Möglichkeiten gibt es einen anderen Band aus demselben Verlag. Diese Möglichkeiten werden dennoch kurz angeschnitten.
Insgesamt also ein sehr gründliches Handbuch mit einer Fülle an Informationen, die man allerdings am besten mit dem entsprechenden Gerät in der Hand umsetzt. Eine Vorab-Lektüre könnte entmutigend wirken.