Orientalismus war ein Schlag ins Gesicht einer jahrhundertealten Forschungsrichtung. Edward Said wies der Orientalistik nach, ihren Forschungsgegenstand fortwährend in Misskredit gebracht zu haben. Alte Vorurteile gegen die Menschen im Orient wurden nie hinterfragt, sondern systematisch wiederholt. So machte sich die Forschung zum Handlanger der westlichen Großmächte und bestätigte sie in dem Glauben, dass der Orient gelenkt, also beherrscht werden müsse. Saids akademisches Enthüllungsbuch hatte durchschlagenden Erfolg, leitete einen tief greifenden Wandel innerhalb der Orientalistik ein und begründete sogar eine neue Studienrichtung, die postkolonialen Studien". Said, ein gebürtiger Palästinenser mit US-Professur, galt fortan als wichtige arabische Stimme im Westen. Obwohl Orientalismus zum modernen Klassiker avanciert ist, wird das Buch auch kritisch bewertet. Saids selektiver Umgang mit den Quellen rückt seine Untersuchung in die Nähe zur Polemik und schränkt damit ihre fachliche Glaubwürdigkeit ein. Die Lektüre lohnt sich dennoch: Saids grundlegende Auseinandersetzung schärft den Blick für den Umgang mit fremdartigen Kulturen.