Das Buch gibt eine Reise des Wissenschaftlers und Direktors der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, wieder. Das Buch schwank im Stil zwischen Reportage und der Wiedergabe von Gesprächen. Da der Autor ein Kenner und der arabischen Sprache mächtig ist, kommt einiges dabei ans Licht bzw. einige Gespräch sind extrem interessant, zum Beispiel mit einflussreichen Politik-Beratern in Israel und Palästina, oder mit einem ehemaligen gewaltbereiten Islamisten der Gama Islamiya in Ägypten. An anderen Stellen kann sich das Buch aber auch ein wenig hinziehen, letztlich hat Perthes mit diesem Buch den wissenschaftlichen Boden verlasse, ist aber vom Stil her nicht auf dem journalistischem Terrain angekommen. Und vielleicht ist das auch gut so, denn er gibt in seinem Buch ein extremes, seltenes und nicht geläufiges Hintergrundwissen dem Leser an die Hand, was die Mühe des etwas schwierigen Stils wieder gut macht.
Seine Landkarte am Anfang des Buches ist allerdings mehr als sonderbar: Der Siedlungsraum der Kurden ist hier nur noch Rumpf, die kurdischen Gebiete der Zaza in Dersim und der Kurmanci in weiten Teilen der westlichen Teile Ostanatoliens sind hier eindeutige türkische Siedlungsgebiete. Was es mit dieser Karte aufsich hat, habe ich entsprechend nicht verstanden, so eine Karte wäre nicht mal für die türkischen Streitkräfte von Nutzen, aber letztlich geht die Reise ja auch nicht in die Türkei, wohl aber in den kurdischen Teil des Iraks. Dort kommt Perthes mit seinen Arabischkenntnissen kaum noch weiter, viele junge Kurden haben keinerlei Interesse an der arabischen Welt, auch nicht am arabischen Teil des Iraks. Letztlich zeichnet Perthes hier nach, was Saddam Hussein angerichtet hat: Die Kurden sind sich selbst genug, nur äußere Zwänge und innere Zerstrittenheit halten sie im Irak. Und ängstigt Perthes, würde doch ein neuer Staat im Nahen Osten eine Quelle von Umwälzungen und Problemen aufweisen, andererseits haben die Kurden das Recht, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, und so äußern sich auch die meisten von Ihnen.
Wer das Buch für seine wissenschaftliche Arbeit verwenden will, sei gewarnt, dieses Buch ist nicht in der Form zitierfähig bzw. es gibt keinen wissenschaftlichen Rahmen, sondern es sind Bilder, die sich zu einem gutem Ganzen zusammensetzen lassen, gewissermaßen ein Puzzle für interessierte Leser.
Perthes These, dass die Region vor einem großen Umbruch stehe (2005), hat sich 2010/11 mehr als bewahrheitet und vielerorts haben sich auch neue Facetten ergeben: In Israel demonstrieren Israelis mit Verweis auf den Erfolg der Demokratiebewegung in Ägypten - wer hätte damit rechnen können? Wer das Palästina/Israel-Kapitel gelesen hat, der hat immerhin verstanden, dass die Linien, Einstellungen, Konflikte und Lösungen weitaus vielschichter und ungewöhnlicher sind und sein können, als man vermuten würde, jedenfalls, wenn man die Berichterstattung der Durchschnittsmedien zugrunde legt.