Neben dem "Karneval der Tiere" von 1886 ist die Sinfonie Nr. 3 c-Moll op. 78, die so genannte Orgelsinfonie, aus demselben Jahr das bekannteste Orchesterwerk des französischen Komponisten Charles Camille Saint-Saëns (1835-1921). Im Zeugnis der Zeitgenossen rückte Saint-Saens namentlich mit dieser pathetischen Sinfonie in die Nähe Ludwig van Beethovens.
Die Sinfonie ist konventionell viersätzig und liegt in zahlreichen guten und sehr guten Einspielungen vor. Die hier zu besprechende Fassung ist 1976 vom Chicago Symphony Orchestra (CSO) unter der Leitung von Daniel Barenboim (Jahrgang 1942) eingespielt worden.
Barenboim ist bekannt dafür, dass er gerade die Spätromantik auf eine spezielle Art und Weise veredelt, getrieben vom Anspruch, sie von Patina und falscher Erhabenheit zu befreien. Die spätromantische Musik klingt bei Barenboim daher stets hell, glänzend, offen, aber auch etwas metallisch, distanziert, kühl. Die Orgelsinfonie wurde entsprechend inszeniert; sie wirkt zunächst luftig und schwebend. Dass ihr gleichwohl die Erdigkeit und Diesseitigkeit gar nicht abgeht, das liegt am investierten Orgelklang. Der holt alles Flirrende, alles Abhebende machtvoll wieder ein und erklärt autoritär: Hier ist die Welt! Verantwortlich dafür: die 1971 erbaute Orgel in der mächtigen Kathedrale Notre Dame de Chartres von 1260. Ausdrucksvoller Orgelklang, der dialogisch der spielerischen Orchestermusik Saint-Saens' begegnet. Neben James Levines Einspielung ist dies die beste, vielleicht auch die zeitloseste Einspielung der Orgelsinfonie und daher uneingeschränkt empfehlenswert.