Ein lange Zeit verkanntes Buch, da es durch die zeitliche und räumliche Nähe zu Schelers Anthropologie und Heideggers Sein und Zeit, sowie der politischen Katastrophe des 3. Reiches, seiner wirkung völlig beraubt wurde. Einerseits glaubte man Plessner als Anhängsel Schelers verstehen zu können, oder dass seine Philosophie mit der Heideggers obsolet wurde, andererseits verhinderte das auferzwungene Exil Plessners seine Rezeption im deutschsprachigen Raum völlig. In der Zeit danach fand eine Engführung in der Bewertung auf eine Philosophische Anthropologie, die vor allem der Soziologie nahesteht statt, die Plessners wirkliche Leistung nämlich eine Naturphilosophie entwickelt zu haben, die sowohl den Verkehrungen der romantischen als auch der empiristischen Philosophie entgeht. Im wesentlichen sucht Plessner nach einem Gesichtspunkt unter dem er die gesamte organische Natur analysieren kann. Diesen findet er in dem Begriff Grenze oder Begrenzung, von welchem er weiter schreitet zu einer typologischen Deutung phänomenologischer Befunde, um damit die Wesenmerkmale, der drei Stufen des Organischen kenntlich zu machen. Die philosophische Anthropologie lässt sich damit als aus der Naturphilosophie ableitbar verstehen, und bildet somit nur den Abschluss des Systems nicht seine Hauptsache. Für alle die sich noch nicht mit Philosophie näher beschäftigt haben wird es ein sehr schwieriges Buch sein, und dann wäre es wohl besser zuerst eine der leichter verständlichen Einführungen zu Plessner zu lesen (z.B. Haucke) oder sich über einige kürzere Aufsätze Plessners in die Thematik einzulesen. Für Philosophieinteressierte oder gar hauptsächlich sich mit Philosophie beschäftigende ist es wohl eine Pflichtlektüre. Ich empfehle aber die Ausgabe im Suhrkampverlag weil ich diese für besser lesbar halte, und die Sammlung Göschen leider immer auch etwas unscharf gedruckt und nachlässig gebunden ist. Außerdem wird in der Sekundärliteratur in der Regel nach der Suhrkampausgabe zitiert, wodurch wenn man nur die DeGryter Ausgabe hat immer etwas umständlich suchen muss, da beide Ausgaben nicht die gleiche Pagnierung haben. Deshalb gibt es auch nur 3 Sterne, auch wenn der Inhalt 5 verdient hätte.