Was ist Gestalt-Organisationsberatung? Edwin Newis beantwortet diese Frage in seinem Buch theo-retisch fundiert und praxisnah. Es ist sehr dicht geschrieben und so mehr ein Buch zum Studieren. Das ist nur folgerichtig, denn Nevis langjährige Erfahrung, sowohl in der Praxis als auch in der Lehre am Gestalt Institute of Cleveland, sind in das Buch eingeflossen. Das Erscheinungsjahr 1987 ist dem Buch in einigen Passagen anzumerken, dies schmälert aber nicht den Wert des Buches insgesamt.
Nevis fasst seine Grundhaltung, mit der er sein Buch verfasst hat, in den ersten beiden Sätzen des Vorwortes zusammen: „Der Gegenstand dieses Buches ist der Prozess der Bewusstheit und das Um-setzen dieser Bewusstheit in zweckmäßiges Handeln. Das Hauptziel von Beratungsbeziehungen sehr ich darin, die Bewusstheit des Klienten von seiner Funktion in seinem Umfeld zu verbessern und seine Fähigkeit auszuweiten, solche Handlungen zu unternehmen, die seine Funktion verbessern.“
Im ersten Teil seines Buches erläutert Nevis grundlegende Annahmen des Gestalt-Ansatzes und über-trägt sie auf größere Systeme bzw. Organisationen. In Praxisbeispielen illustriert er die Anwendung. All dies gelingt ihm ganz hervorragend.
Das Werk liefert ein umfassendes Bild, welche Verhaltenskompetenzen ein Berater haben sollte und was die Funktion für die Beraterpersönlichkeit selbst bedeutet. Von der eigenen Präsenz vollen Gebrauch zu machen, hält Nevis für einen Grundpfeiler der erfolgreichen Anwendung des Gestaltan-satzes.
Schließlich bringt Nevis beides zusammen: Wie der Berater seine Bewusstheit einsetzt und wie sich Fähigkeiten und Präsenz verbinden, um eine Handlung des Klienten anzuregen oder hervorzurufen.
Weitere Kapitel widmen sich den Themen „Bedeutung von Widerstand“ und „Organisationsberatung im Vergleich zu Psychotherapie“.
Der Prämisse der Gestalttherapie, dass Verändern oder Lernen an Grenzen stattfindet, und ihren Implikationen für die Beratung widmet sich Nevis im letzen Kapitel des Buches Er erläutert das pre-käre Gleichgewicht zwischen Marginalität, Autonomie und Angliederung.