Dirk Baecker, der "Adoptivsohn" von Niklas Luhmann, hat ein neues Buch veröffentlicht: eine Aufsatzsammlung mit dem sinnreichen Titel "Organisation und Störung". Ach ja, sinnreich! Aber dann doch kein surrealistisches Manifest, kein intellektuelles Alice hinter den Spiegeln.
Nein, Baecker hat am Bodensee an intellektueller Brillanz verloren - das muss am Nebel liegen. Aber am Nebel hat Baecker offensichtlich Gefallen gefunden. Die hier versammelten Texte enthalten systemtheoretisches Wortgeklingel, zahllose und doch irgendwie halbherzige Reverenzen vor geistesgeschichtlicher Prominenz und ganz viel, ganz ganz viel Geistreiches.
Schaut her, wie ich kombinieren kann.
Vorgetragen mit der arroganten Geste eines schizophren gewordenen Sherlock Holmes. Wirklich Sachdienliches erfahren wir nicht. Nach Abzug aller Lektürespesen hinterlässt Baeckers Kombinatorik nichts als Trivialitäten. Zum Beispiel der, dass Manager an ihrer Karriere interessiert sind. Oder dass Organisationen heute vernetzter sind als früher. Gute Güte: wie aufschlussreich!
Nervig obendrein: die geschraubte Ironie des "systemischen" Beobachters. Aus Nietzsches "Pathos der Distanz" wird bei und mit Baecker nur die Süffisanz des selbstverliebten Besserwissers.
Die Egomanie untergräbt das Erkenntnisinteresse: Immer nur dabei - statt mittendrin.
Dass sich Baecker, früher mal so etwas wie Luhmanns Nachlassverwalter, außerdem zusehends auf das Niveau von Ratgeberliteratur hinab begibt, kann nur als Degeneration eines talentierten Kopfes bedauert werden. In Hegels Phänomenologie des Geistes heißt es: "An diesem, woran dem Geiste genügt, ist die Größe seines Verlustes zu ermessen." (Vorrede). Wie - dialektisch - wahr!
Unterm Strich also: Rosamunde Pilcher tut's auch!