In sozialen Systemen, die sich zu Glaubenssystemen entwickeln, kommen die Menschen mit der darin entstehende Sprache deswegen so gut aus, weil sie selbstrefenrentiell ist. Diese Sprache (amerikanische Spötter nennen sie zum Beispiel "Corporatese") ist den Insidern genug. Natürlich kommen sie damit zurecht und fühlen sich wohl damit.
Baeckers Sprache stört nur die schwachen Gläubigen in dem sozialen System. Für die starken Spieler im System ist Baeckers Sprache dagegen eine Erfrischung. Im höheren Klerus liest man ja auch gerne mal jenes Teufelszeug zur Stärkung, das den gemeinen Gläubigen nicht unbedingt empfohlen wird. Erfolgreiche Unternehmer und Führungskräfte haben einfach Spaß mit dem Buch, insbesondere, weil sie die Spiele in Unternehmen und in der Wirtschaft eben doch sehr gut kennen. Man sollte sie da nicht unterschätzen. Mit kühlem Kopf landeten sie ja bisher schon nicht in die Fallen, in die konkurrierende oder ihnen zuarbeitende "Begeisterte Unternehmer" hineinliefen, aber in dem gleichlautenden Kapitel in Baeckers Buch finden sie eine neue und amüsante Sichtweise auf von Gespenstern Getriebene.
Natürlich brauchen erfolgreiche Unternehmer auch weiterhin Begeisterung und den begeisterten Unternehmer. Den wird es weiterhin geben, schon weil er Baeckers Buch sowieso nicht lesen mag.
Baecker erschreckt Nicht-Soziologen (wie mich) übrigens nicht allzusehr mit abgehobenem Soziologen-Lingo. Das Buch ist lesbar. Dem Mann sitzt der Schalk im Nacken. (Wem der Humor nicht ausreicht, dem empfehle ich zur Ergänzung "The Dilbert Future" von Scott Adams.)
Hier noch eine kleine Perle für Familienunternehmen (auch aus dem Kapitel "Begeisterte Unternehmer") mit Nachfolgeproblemen: "Das Problem besteht darin, dass Väter und Söhne in Familienunternehmen ausgiebig Gelegenheit hatten, sich nicht nur einseitig, sondern wechselseitig zu beobachten. Dem Familienunternehmen steht die Familie im Wege. Man kennt sich, man hatte Gelegenheit, sich zuzuschauen bei der Arbeit. Es gibt keinen Blick, der vom Vater auf dem Sohne ruhen würde, den der Sohn nicht längst und ausgiebig erwidert hat [Anmerkung: Im Gegensatz zu einem unsichtbaren Geist, dessen antreibenden Blick man nicht erwiedern kann und der den Begeisterten somit in steter Ungewissheit hält], als der Vater vielleicht noch gar nicht an die Nachfolgeprobleme dachte, sondern schlicht und ergreifend erst einmal zu imponieren versuchte. Man versteht vor dem Hintergrund dieser strukturellen Unmöglichkeit der Begeisterung, dass Familienunternehmen nur eine Chance haben, die Struktur des Familienunternehmens in Begeisterung umzusetzen. Sie müssen auf Schwiegersöhne und Schwiegertöchter setzen."