Als das achte Black Label Society Album "Order of the Black" 2010 erscheint, hat Bandkopf Zakk Wylde eine schwere Zeit hinter sich. Zunächst beendet Metal Legende Ozzy Osbourne nach über zwanzig Jahren die Zusammenarbeit mit dem zotteligen Flitzefinger aus den USA, dann muss Zakk auch noch aufgrund eines Blutgerinnsels stationär behandelt werden. Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus sucht sich der Meistergitarrist zwei neue Mitstreiter, wird in Will Hunt am Schlagzeug und John DeServio am Bass fündig und beginnt mit der Arbeit am Nachfolger zum 2006er Erfolgsalbum "Shot to hell".
Die 13 Songs auf "Order of the Black" bewegen sich textlich und musikalisch voll im Rahmen des Albumtitels. An jeder Ecke lauert die Apokalypse, die Reiter der Finsternis überziehen das Land, Beelzebub taucht auf und verlangt nach Unterwerfung oder Depressionen schleichen sich aus dem Hinterhalt an. Wie immer ist die ganze Angelegenheit nichts für zarte Gemüter - diesmal auch wieder was das Musikalische betrifft. Komponist Zakk Wylde zeigt sich fokussiert, driftet nicht wie so oft auf seinen Soloalben in uninspiriertes Geschrubbe ab, sondern hält die 13 Songs angenehm lebendig. Sicher, das Rad erfindet der Amerikaner auch auf diesem Album nicht neu, dennoch gehört es zu den besseren Black Label Society Veröffentlichungen. Im Gegensatz zum Vorgänger "Shot to hell", auf dem Zakk seine Wildheit noch in zähnefletschenden Midtempo Songs kanalisiert, machen er und seine Mitstreiter diesmal keine Gefangenen. Von Beginn an regiert erbarmungslos der Eisenhammer, die bösen Riffs werden dem Hörer wütend um die Ohren geknallt, es dampft und qualmt an allen Ecken. Besondere Highlights sind dabei die beiden brachialen Singles "Parade of the dead" und "Crazy horse" sowie der düstere "Overlord", das schwere "War of heaven" und das brutale, Double Bass getränkte "Godspeed Hellbound". Hier präsentiert sich der Komponist Zakk Wylde in Topform, genau so will man den bärtigen Hühnen hören: verschwitzt, wüst, ungezügelt. Besonders "Godspeed Hellbound" hat es mir angetan. Ein echt fetter Headbanger und schon jetzt ein Klassiker in der Bandgeschichte. Überhaupt ist das gesamte Werk wieder eher dem Metal zuzordnen, die Southern Rock Einschläge sind wenn, dann nur noch dezent hörbar.
Wie gewohnt haben Wylde und seine Crew auch dieses Mal wieder leisere Töne am Start. "Darkest Days" ist die obligatorische depressive Klavier Ballade, die einen sofort packt. Zakk Wylde ist niemand, der sich mit den ruhigeren Songs kalkulierte Verkaufserfolge erhofft, die Traurigkeit sprudelt direkt aus seinem Herzen.
"Time waits for no one" ist noch etwas langsamer, wartet mit einigen netten Harmonien auf, ist letztlich aber doch etwas zu belanglos. Das hat man vom knorrigen Waldschrat schon wesentlich inspirierter gehört.
Dass er es besser kann, beweist er mit der Abschluss Nummer "January". Knapp 2.30 Gänsehaut, ein trauriger, kleiner Song mit großem Refrain. Richtig stark! Auch "Shallow grave" hat seine Stärken.
Ansonten bewegt sich das Album im brachialen Midtempo, die Songs sind okay, aber nicht weltbewegend. Wie man das eben kennt von Black Label Society. Dennoch muss gesagt werden, dass Zakk Wylde dieses mal wesentlich weniger nervig nöhlt als sonst, seine Stimme klingt klar und kraftvoll. Über die gesamte Albumdistanz gesehen vielleicht die stärkste Gesangsleistung, die er bisher mit BLS gebracht hat. Auch die ansonsten etwas zu inflationär eingesetzte Gitarren-Quietscherei wurde diesmal songdienlich reduziert.
Zwar würde ich mich zu den Fans zählen (ich besitze alle Alben) doch als das Werk erschienen ist, habe ich es zunächst nicht gekauft, da es mich beim ersten Hören nicht wirklich überzeugen konnte. Doch wenn man dem Album Zeit gibt, hat es durchaus seine Stärken. Mehr als drei Sterne sind für Zakks ungestümen Rotz-Metal dennoch nicht drin, dazu sind die knapp 50 Minuten letztlich zu wenig abwechslungsreich. Gute Unterhaltung ist es allemal - mehr aber nicht. Aber das ist ja auch nicht schlecht.