Dies ist, soweit ich weiß, das einzige Hörspiel von Rex Stout in deutscher Sprache, das es auf Audio-CDs gibt. - Zudem erhält man auch keine deutschsprachigen Hörbücher (englischsparachige jedoch schon). - Hoffentlich ändert sich das in baldiger Zukunft, denn Nero Wolfe und Archie Goodwin sind ein unschlagbares Detektivgespann.
- Die Romane von Rex Stout mit diesen beiden Protagonisten finden zwischen den beiden Polen - hohe Spannung und treffsicherer Humor in lebendigen Wortgefechten - statt.
Leider ist man hier im Hörspiel ziemlich weit von der "Romanrealität" abgewichen, aber aufgrund des "einsamen Daseins", das diese CD-Ausgabe bisher fristet, sollte man vielleicht "ein Auge zudrücken".
Die Geschichte des Originals wird im Wesentlichen rübergebracht, auch wenn sie natürlich geschnitten und hier und da "frisiert" ist, wie das bei Hörspielen eben üblich ist.
Die Dramaturgie ist gut, und den Machern ist ein unterhaltsames Stück gelungen, das man durchaus mehrmals anhören kann.
Leider fällt jedem Nero Wolfe-Fan sehr schnell auf, daß die Charaktere der drei - in (fast) allen Romanen auftauchenden - Hauptpersonen - Nero Wolfe, Archie Goodwin und Inspektor Cramer - stark verzerrt sind.
Aus dem mürrischen, meist ernsten und selten komischen Nero Wolfe wurde eine fast schon witzige Figur, der man das Einsiedler-Dasein bei seinen Orchideen kaum abzunemen bereit ist.
Archie Goodwin ist noch verzerrter. - Er kommt daher, wie ein "Schlaffi", der - völlig an der Romanpersönlichkeit vorbei - eher defensiv agiert und nicht gerade zu den intelligentesten zu gehören scheint. - Auch der Wortwitz ist ihm beinahe abhanden gekommen - was ja ein Hauptanreiz der Romane ist. - Dieser Archie Goodwin ist eine wirkliche Enttäuschung.
Inspektor Cramer wurde von einem energischen, aufbrausenden, zwar nicht immer richtig liegenden, aber dennoch ernstzunehmenden Mit- und manchmal auch Gegenstreiter zu einem tendenziell zu Senilität neigenden (Mit-)Helden, dem man seine kommissarische Identität nur glaubt, wenn man davon Kenntnis besitzt.
Und Fritz - Koch und Hausverwalter - wurde zu einem viel jüngeren Dienstgeist mit abscheulich schweizerischem Akzent.
Ausserdem werden einige "eiserne Regeln" des Nero Wolfschen Hauses gebrochen, ohne dass das irgendeines Kommentares bedürfte (was in den Romanen immer der Fall ist), zwei Beispiele:
1. es wird beim Essen über geschäftliche Dinge gesprochen und
2. Nero Wolfe verlässt das Haus - wie wenn es das normalste der Welt wäre. (Nero Wolfe-Kenner wissen um die Brisanz dieser scheinbaren "Nebensächlichkeiten".)
Noch ein Wort zum Schluß des Hörspiels: das Ende ist völlig verkorkst: plötzlich ist von Schrumpfköpfen die Rede! - Und hier frage ich mich, wie der Regisseur darauf kam, so ein komisches Ende zu fabrizieren. - Vielleicht wollte er lustig sein? Keine Ahnung.
Schlussbemerkung:
wer als Nero Wolfe-Fan eine möglichst originalgetreue Hörspiel-Umsetzung sucht, der lasse die Finger von diesem Werk, denn diesem Werk fehlt weitgehend die Atmosphäre der Romane.
Wer jedoch bereit ist, den "Romanschatten" zu überwinden, und sich auf ein - auf 290 Minuten befristetes - Experiment einzulassen, der kann und sollte sich diese Hörspiel ruhig anhören, denn man hat etwas "Neues" daraus gemacht, das zwar anders (als die Romane) ist, aber trotzdem nicht unbedingt schlechter.
- Ein tolles Hörspiel (vom Schluß abgesehen) für Krimifans, und je nachdem auch für Nero Wolfe-Fans.
- Keine 5 Sterne, denn für Nero-Wolfe-Fans ist das Hörspiel nicht unbedingt ein Hochgenuß.