Georg Friedrich Händel war vor allem Opernkomponist. Dennoch sind seine Hinterlassenschaften im Bereich der Instrumentalmusik bemerkenswert, ja, erreichen an vielen Stellen gar bachsches Niveau.
Trevor Pinnock mit seinem English Concert spielt stets auf historischen Instrumenten und sieht sich voll und ganz dem Werk verpflichtet, verneigt sich demütig vor dem Willen des Komponisten. Genau wie bei Vivaldi, wie bei Bach ist ihm mit der vorliegenden Box eine kaum zu überbietende Leistung gelungen.
Die drei Wassermusiksuiten Händels zählen zu den ganz großen Werken des Barock. Weite Teile dieser Musik sind unglaublich erhebend. Zusammen mit der großartigen Feuerwerksmusik stimmen sie festlich, fast euphorisch. Besonders faszinierend wirkt auf mich die große Orchestervielfalt, die Händel bei diesen Stücken walten lässt.
Pinnocks historische Herangehensweise an die vorliegenden Stücke ist beeindruckend: Durch die strenge Werktreue gepaart mit der unglaublichen Transparenz des Orchesterspiels entfalten sie einen herrlichen orchestralen Glanz.
Die Concerti a due cori gehören zu den seltener gespielten Werken des Komponisten. Nach dem Hören wird deutlich warum: Sie erschließen sich nicht so schnell in ihrer vollen Schönheit und ihrer pittoresken Anlage wie andere Werke Händels.
Das große Augenmerk dieser Kompilation liegt freilich auf den Concerti grossi. Die Concerti aus op. 3 sind zum großen Teil Adaptionen beziehungsweise Transkritptionen auf oder von anderen Werken, vor allem Opern. Ihr Charakter ist recht uneigenständig, fast etwas naiv. Dennoch haben auch diese Werke ihre Berechtigung.
Viel individiueller sind die zwölf Concerti aus op. 6. Diese stehen regelmäßig in Dur und Moll. All diese Werke sind berührend und voller barockem Glanz. Keines gleicht dem anderen. Besonders hervorzuheben sind die Concerti Nr. 2, 3, 7 und 9, da dieselben sich durch besonderen melodiösen Reichtum und Vielfalt auszeichnen.
Das pompöseste, strahlendste Concerto grosso allerdings ist das zum sogenannten Alexanders Fest C Dur HWV 318. Es ist einmalig in seiner Anlage und seiner knappen Ausdrucksform.
Pinnock macht sich mit seinem phänomenal und absolut transparent spielenden Ensemble um diese herrlichen Werke sehr verdient. Er vermittelt die Botschaft dieser Stücke eindrucksvoll und redlich, stets ohne allzu viel Pathos, ohne Larmoyanz.
Fazit: Ein bedeutendes Tondokument in sehr guter Aufnahmequalität, das in meinen Augen für diejenigen, die sich umfassend mit den Werken Georg Friedrich Händels befassen wollen, unumgänglich ist.