Aus der Amazon.de-Redaktion
Alexander Zemlinsky war ein von den Zeitläuften doppelt Verfemter: Erstens von der NS-Herrschaft, die ihn ins amerikanische Exil trieb, wo er 1942 vereinsamt bei New York verstarb; und zweitens von den dogmatisch verblendeten Avantgardisten nach 1945, die seine Kunst pauschal mit dem Etikett des "Spätromantikers" abtaten. Und auch der Komponist schien ein gesundes Selbstvertrauen nicht im Übermaß zu besitzen. So schrieb er 1930 an Alma Mahler: "Man ist an seinem Schicksal immer selbst schuld -- letzten Endes; oder unschuldig schuldig wenigstens. Mir fehlt sicherlich das gewisse Etwas, das man haben muss -- und heute mehr denn je --, um ganz nach vorne zu kommen". So half es auch nicht weiter, dass kein Geringerer als Arnold Schoenberg einräumte, dass er "fast all sein Wissen um die Technik und die Probleme des Komponierens" dem Lehrer, Freund und späteren Schwager verdanke und die euphorische Prophezeiung wagte: "Möglicherweise wird seine Zeit früher kommen, als man denkt". Doch erst um 1980 begann man, Zemlinskys hochwertiges Bühnenschaffen wieder zu beleben.
Dem Dirigenten James Conlon ist jetzt zu verdanken, dass es nun sämtliche Orchesterlieder Zemlinskys auf CD gibt. Zemlinsky komponierte sie über einen Zeitraum von 34 Jahren; stilistisch sind sie schwer einzuordnen. Musikalische Bezugspunkte sind dem Komponisten Wagner und Brahms sowie Mahler und Schönberg. James Conlon stellt die Lieder in einem weich wattierten Klangraum, dem es zuweilen an Spannung und Akzentuierung mangelt. Sanfte Stimmen umhüllen die Solisten, die ihrerseits versuchen durch Schattierungen dies auszugleichen. Von besonderer Expressivität und Eindringlichkeit sind der Vortrag von Violeta Urmana und Michael Volle. --Teresa Pieschacón Raphael