Im Prinzip könnte man an diese Stelle eine Rezension zu Larry Nivens Roman "Ringwelt" kopieren, der bereits einige Jahre vor "Orbitsville" erschien. Ähnlichkeiten gibt es nicht nur beim Setting der Geschichte, die ebenfalls auf einem riesigen Artefakt spielt, auch einige Schwächen des vermutlichen Vorbildes übernimmt Bob Shaw. So ist nach der Lektüre die Enttäuschung nicht ob der gebotenen Qualität groß, sondern einfach deshalb, weil so dermaßen viel Potential nicht genutzt wird.
Der Autor erschafft hier eine gigantische Welt auf Basis der theoretischen Dyson-Sphäre, hat also die Oberfläche von mehreren Milliarden Planeten zur Verfügung um spannende Geschichten zu erzählen. Das gelingt im grundsätzlich sehr gut (vor allem in der zweiten Hälfte des kurzen Buches), leider gibt es einfach viel zu wenig davon. Beispielsweise treffen die Neuankömmlinge auf andere Bewohner, über die man aber so gut wie nichts erfährt. Auch über die Sphäre selbst gibt es praktisch keine Hintergrundinformationen, ebenso wenig über deren Technik und Erbauer. Schade, hier wäre so viel mehr möglich gewesen...
Die eigentliche Handlung ist ein solides Weltraumabenteuer, das einige interessante und spannende Momente enthält. Da es eine durchgängige Geschichte gibt, die auf eher ernsthafte Weise erzählt wird, gefällt mir das Ganze insgesamt auch wesentlich besser als die "Ringwelt" mit ihren losen, comichaften Episoden. Alles in allem ist mir das 4 Sterne wert - die man allerdings im Kontext zu meiner 3-Sterne-Wertung für Larry Nivens Werk sehen kann. Gelesen haben sollte man als Fan klassischer Science Fiction auf jeden Fall beide Bücher.