Das Airbrush-Malen mit dem Orbis-Set ist ein relativ bequemes Vergnügen, solange es funktioniert - was bei uns ungefähr 15 Minuten lang der Fall war. Nach dieser Zeit ging plötzlich nichts mehr: der Kompressor lief, aber Farbe wurde nicht mehr gesprüht. Die Sucherei nach der Fehlerursache war aufwändig (Anschlüsse, Schlauch, Farbpatrone?) und brachte schließlich das Ergebnis, dass sich ein Gummi-Dichtungsring im Sprühstück gelöst hatte, der für den luftdichten Anschluss der Farbpatrone sorgen soll. Da das Stück aus Plastikteilen verschweißt und damit nicht zu öffnen ist (aus ziemlich klapperigem Plastik besteht das ganze Gehäuse), gab es keine Chance, den Ring wieder in Funktion zu setzen. Um das angefangene Bild beenden zu können, haben wir schließlich Haushaltsgummis mehrfach um die Patronen gespannt, mit ins Sprühstück gezwängt und so einen halbwegs dichten Abschluss hinbekommen. Mit dieser Chaos-Technik brachten wir also ein brauchbares Bild zu Ende, aber Motivation für weitere Werke gab es dann nicht mehr.
Nehmen wir mal zugunsten des Herstellers an, dass nicht alle Exemplare so schnell unbrauchbar werden. Dann ist das Sprühen mit den Orbis-Farbpatronen in der Tat komfortabler als mit herkömmlichen Geräten, die Behälter mit flüssiger Farbe verwenden. Das muss es auch sein, da es sich speziell an Kinder und Jugendliche wendet. Auf diese Zielgruppe sind auch die beigefügten und zusätzlich erhältlichen Schablonen ausgelegt - oder jedenfalls auf das, was sich der Hersteller Revell unter dem Geschmack von Jugendlichen vorstellt. Die Motive sind alle im gleichen Stil von ziemlich beschränkter grafischer Qualität gehalten, pseudo-cool und recht langweilig. Das war für uns aber wieder ziemlich egal, da vorgefertigte Schablonen als Kreativitätskiller eh nicht in Betracht kamen: wir haben eigene Bilder auf stärkeres Papier gezeichnet und ausgeschnitten, so dass wir Positiv- und Negativ-Schablone hatten. Beides braucht man, denn die ganze Airbrush-Malerei dreht sich bekanntlich nicht so sehr um das Sprühen, sondern das sogenannte Maskieren ist das Herzstück: das genau Abdecken der Flächen, die im jeweiligen Arbeitsgang gerade nicht besprüht werden sollen. Bei der Genauigkeit dieses Arbeitsschrittes trennt sich die Sprüh vom Weizen, um es mal so zu sagen.
Das Anleitungsbuch als Teil des Sets ist ganz nett gestaltet und als Einführung in die grundlegende Technik soweit okay. Dennoch muss man sich bei der Lektüre wundern: folgt man den Beispielen und Anregungen darin, so werden die Formen der Schablonen eben immer mit einer Farbe gefüllt - auf diese Weise sollen Kinder dann ihre Schulhefte etc. mit Palmen, Skateboardern oder Schriftzügen verzieren. Es stellt sich die Frage, wozu man da überhaupt sprühen soll? Für das, was hier gezeigt wird, kann man die Formen ebenso gut mit einer Walze oder sogar einem Pinsel ausmalen. Das Besondere an der Airbrush-Malerei, also die Möglichkeit absolut fließender Verläufe und Farbübergänge (und damit realistischer Darstellung dreidimensionaler Formen) kommt gar nicht vor. Wenn man nur das machen will, was hier vorgeschlagen wird, spart man sich besser den ganzen Kompressor.
Selbiger bietet übrigens Steckplätze zur Aufbewahrung vieler Farbpatronen, mitgeliefert werden nur vier (rot, blau, gelb, schwarz). Nach etwas Probieren zu Beginn haben wir es geschafft, andere Farbtöne durch Übersprühen ganz gut zusammenzumischen, aber eigentlich soll man ja weitere Farbsets hinzukaufen. Und da wird es interessant, denn es gibt die passenden Farbpatronen natürlich nur vom Originalhersteller, und Nachfüllen ist nicht. Wie steht es also mit der Preisgestaltung? Es bietet sich ein Vergleich mit herkömmlichen Airbrush-Farben an, wie sie bei Amazon erhältlich sind. Leider steht aber auf den Orbis-Farbpatronen nirgendwo die Inhaltsmenge vermerkt (ich dachte, das sei gesetzlich vorgeschrieben), so dass eine genaue Gegenüberstellung nicht möglich ist. Man kann nur nach dem Bruttogewicht gehen:
- Da ist z.B. ein Set mit 8 Farben zu 19,99 Euro, Gewicht 249 g - das macht 8 Euro pro 100 g.
- Ein 6-Farben-Set mit 450 g kostet 29,50 Euro - 6,55 Euro pro 100 g.
- Ein noch größeres Set, 9 Farben mit zusammen 1000 g, kostet 50,90 Euro - 5,09 Euro für 100 g.
- Vier Orbis-Patronen kosten als Set 10,98 Euro und wiegen 59 g - das macht 18,33 Euro pro 100 g.
So grob der Vergleich ist, macht er doch deutlich, dass man für die Bequemlichkeit der Farbpatronen teuer bezahlt, es fällt locker der doppelte bis dreifache Preis gegenüber konventioneller Farbe an. Das ist der gleiche Effekt wie bei modernen Kaffeemaschinen mit Pads, die einen an einen bestimmten Hersteller binden und damit dessen Preisgestaltung ausliefern.
Da auch Starter-Sets mit herkömmlichen Kompressoren nicht teurer sind als das von Orbis, gibt es keinen wirklichen Grund, sich an dieses System zu binden und die hohen laufenden Kosten dafür in Kauf zu nehmen. Die zweifelhafte Qualität der technischen Ausführung sowie die Schwächen der Anleitung und der Schablonen machen die Sache nicht besser. Ich gebe dem ganzen noch drei Punkte, weil das System bei niedrigen Ansprüchen und mit etwas Glück bezüglich des Geräts im Grundsatz funktioniert.