Autor David Winner ist gar kein Niederländer, aber in den 70ern ging der Engländer angesichts des Total Football nach eigenem Bekunden eine Liebesbeziehung mit dem Land und seinen Stars ein. Winner bringt uns mit dem bis dato umfangreichsten (etwa 350 Seiten) Band aus der Reihe 'Ball und Welt' die Eigenarten und den im wahrsten Sinne des Wortes neurotischen Geist der Holländer in Sachen Fußball näher. Sehr schön ist zudem, dass das Buch aus dem Jahre 2000 für die Neuerscheinung um zwei aktuelle Kapitel um die Neuorientierung des holländischen Fußballs im 21. Jahrhundert ergänzt wurde.
'Oranje brillant' ist nicht das traditionelle Fußballbuch, in dem wichtige Spiele rezitiert und Anekdoten erzählt werden. David Winner setzt den Fußball oft in einen völlig anderen Kontext und zeigt, wie die holländische Architektur, das holländische Verständnis von Raum generell das Spiel nachhaltig beeinflusst haben. Das klingt erstmal interessant, geht jedoch gerade zu Beginn des Buchs auf Kosten des Lesevergnügens. Zum Teil erschöpfende (über 30 Seiten) Darstellungen des holländischen Raumbegriffs lenken vom eigentlichen Thema ab und wenn der Flughafen Schiphol mit der Elftal verglichen wird, ist das zwar unkonventionell, aber auch nicht immer treffend.
Sei es drum, wer sich durch die leicht langatmigen, ersten 80 Seiten gekämpft hat (nur ein Thema: Der Total Football), liest in der Folge viele berichtenswerte Fakten zum Voetball. Dabei lenkt Winner bekannte Fakten wie die Rezeption des WM-Finals 1974 in ein neues Licht, wenn er Auke Kok zitiert. Oder er erzählt in Deutschland unbekanntere Fakten, wie die Rolle Surinams und Interna aus den großen Ajax-Mannschaften der frühen 70er Jahre. Zwar sind die Themen etwas unübersichtlich gegliedert, das stört aber nur sehr wenig, ist doch Winners Stil angenehm und flüssig und auch Interviews, wie das mit Johnny Rep lockern die Lektüre auf.
Wenn sich eine Figur durch das Buch zieht, ist das natürlich Johan Cruyff. Erst als Lichtgestalt beschrieben, stellt sich am Ende des Buchs die Frage nach seinem heutigen, vermeintlich verlorenen Anspruch auf Fußball-Wahrheit. Ein sehr schöner Schlusspunkt! Denn wer auf den ersten Seiten eine 350-Seiten starke Lobhudelei erwartet, sieht sich später mit kritischen Ansätzen (das holländische Phlegma, mangelnde Disziplin, schwarze vs. weiße Spieler) konfrontiert.
Fazit
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Nach mühsamen Beginn legt David Winner ein sehr lesenswertes Buch zu den Eigenarten und Charakteristika des holländischen Fußballs vor. Die Idee, fußballferne Dinge darin zu implementieren, ist zwar sehr interessant, aber kann auch langatmig werden, wenn man sich darin verliert. Schade ist zudem, dass sich der Autor meistens auf Ajax und die Elftal beschränkt. Die PSV und Feyenoord gehen da leider etwas unter. Aber gerade der aktuelle Bezug durch die ergänzten Kapitel und die guten Fakten zum Voetball machen 'Oranje brillant' zu einer Pflichtlektüre für alle Fußball-Fans.