Jeanette Wintersons Bücher sind einfach immer gut, und so auch dieses hier. Dennoch muß ich sagen, daß es gegen "Written on the body" einfach nicht ankommt. Teilweise sehr skurril, aber auch einfühlsam beschreibt sie die Loslösung einer Tochter von ihrer zutiefst religiösen (Adoptiv-) Mutter, als sie feststellt, daß sie lesbisch ist. Von Kindheit an darauf vorbereitet, ihr Leben als Missionarin zu verbringen, muß Jeanette sich nun ein anderes Leben fern von ihrer Gemeinde aufbauen. Verwoben ist diese Erzählung mit märchenähnlichen Intervallen von Prinzen und Zauberinnen voller rätselhafter Symbolik, die, wie in Märchen so üblich, recht blutig enden. Das in den Staaten sehr aktuelle Thema der Religiosität am Rande des Fanatismus ist hier sehr deutlich und mit aller Klarheit dargestellt, und das Thema mal aus der Insiderperspektive zu betrachten, ist ein interessanter Aspekt. Der psychologische Druck, dem die Hauptperson ausgesetzt ist, der Zusammenhalt der religiöse Gemeinde und gleichzeitig ihre Abschottung gegen alles was nicht so "heilig" ist wie sie und damit zu einem gewissen Grad ihre Heuchelei und (teilweise sicher unwillkürliche) Grausamkeit werden gut nachvollziehbar und faszinierend beschrieben. Von der Zartheit und der Poesie ihrer späteren Liebesgeschichte hat dieses Buch jedoch wenig. Übrigens: Wenn irgendwie möglich auf Englisch lesen! Fazit: Durchaus lesenswert und interessant, aber wenn schon Jeanette Winterson, dann doch lieber gleich "Auf den Körper geschrieben". (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)