Als Tom Ryan eines Tages von einer Konferenz, über die scheinbar so "tote" Sprache Latein, auf dem Nachhauseweg plötzlich ein helles blaues Licht erblickt und kurz darauf ein Mann in einer römischen Legionärsuniform mitten auf der Straße kauert, sollte sich sein Leben schlagartig verändern. Dieser Mann stellt sich als Marcus Appius Silvanus vor. Er erzählt ihm auf lateinisch, er sei 60 Jahre nach Christus auf dem Weg nach Londinium, um die verstreuten Heerscharen der im Kampf unterlegenen Königin von Britannien, Boudicca, restlos zu zerschlagen. Er hält Tom für eine Art Gott und unterwirft sich ihm. Beide fahren dann mit dem Streitwagen Toms in dessen Wohnung, wo er ihn allmählich mit der Lage vertraut macht. Was beide nicht wissen ist die Tatsache, daß das Erscheinen Marcus' auf ein Zeitexperiment des MI5 und 6 zurückzuführen ist, die sich dabei Einblicke in die Zukunft erhofften, um ihren Kampf gegen die IRA erfolgreicher zu gestalten. Tom und seine Schwester Mary sind in Belfast aufgewachsen, wo ihre Eltern bei einem Attentat der IRA ums Leben kamen. Ehe sie beide das weitere Vorgehen bezüglich Marcus planen können, überstürzen sich die Ereignisse. Mary bekommt Besuch von einem alte Schulfreund aus Belfast, der als IRA-Kämpfer die letzten Jahre im Gefängnis verbrachte und ihr nun eröffnet, daß nicht die IRA das Flugzeug ihrer Eltern zum Absturz brachte, sondern der SAS, ein britischer Geheimdienst. Desweiteren kommt ein findiger Reporter hinter das Geheimnis Marcus' und macht die Story publik. Um die Geheimhaltung des Zeitexperimentes "Orakel" besorgt, versuchen nun ihrerseits die Agenten der diversen Geheimdienste alle Beteiligten aus dem Verkehr zu ziehen. Die Zeit läuft, da sie bei dem Zeitexperiment erfuhren, daß die IRA ein erfolgreichen Attentat auf die englische Königin verüben wird.
Es ist ein stark handlungsbezogenes Buch. Zum größten Teil spannend, allerdings auch mit einigen zum Teil sehr langatmigen Episoden. Sehr interessant sind die Reaktionen und Gedanken des römischen Zenturios, seine Konflikte in der neuen Umwelt. Sie treten im Laufe des Romans in den Hintergrund und Themen wie die IRA-Problematik, die Arbeitsmethoden nicht ganz koscherer Journalisten oder interne Machtkämpfe zwischen Geheimdiensten überwiegen. Watson schneidet das Wesen der Zeitexperimente nur beiläufig an und eigentlich ist der Roman mehr Agententhriller, als SF. Am spannendsten sind die Episoden, wo Marcus aus seinem Leben erzählt, was in der modernen Welt auf starke Skepsis stößt, da eine Bedrohung der allgemeinen Geschichtsauffassung daraus hervorwächst. Seine Logik ist natürlicher als unsere. Für ihn zählt nur das Offensichtliche, er spricht das aus, was er denkt. Watson spart nicht mit Seitenhieben auf unsere Gesellschaft. Die Eitelkeiten der Menschen, der Verlust des Blickes auf das Wesentliche und das verlorene Vertrauen untereinander sind nur einige Beispiele. Das Ende des Romans ist überraschend, läßt Raum für Spekulationen und weist stark auf eine Fortsetzung hin. Wir können gespannt sein. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)