Jaja, nachdem seit Anfang 2009 The Devil's Blood primär im Rock Hard eine gnadenlose (und gnandenlos unkritische) Hofberichterstattung erfahren war die Zeit wohl reif für eine neue Truppe, die vom Duo Götz Kühnemund und Fenriz in die höchsten Sphären gejubelt werden kann. Die Wahl der Stunde fiel auf GHOST, einem Sextett aus Schweden, die sich auch einem amtlichen Retro-Sound verschrieben haben und ähnliche Aussagen wie The Devil's Blood von sich geben.
Über das Outfit der Kollegen (fünf vermummte "Geister" und ein "Antipapst") kann man sicherlich geteilter Meinung sein - für den einen ist es stimmungsvoll und unterstreicht die Musik, für den anderen ist es eher affig und / oder schlichweg hochgradig albern. Mir persönlich gefällt es grundsätzlich, wenn sich eine Band auch visuell in Szene setzt, ich denke aber auch, dass man es hier gewaltig übertreiben kann und in Rekordzeit zur Lachnummer wird, und es ist bei aller Fairness optisch irgendwie kein allzu weiter Weg von einer gerade gefeierten Truppe wie GHOST und z.B. Mystic Circle mit den "legendären" angepappten Plastik-Teufelshörnern...
Aber sei es wie es sei: die Band hat ein Konzept und das zieht sie durch - identitätslose Combos gibt es ohnehin schon genug.
Musikalisch ist "Opus Eponymous" extrem eingängig und schlichtweg gut hörbar - die Songs sind letztlich mehrheitlich straighter Rock und gehen in ihrer Mehrheit sofort ins Ohr, sind gut gespielt und vor allem sehr markant und harmonisch gesungen. Gerade die Stimme des Sängers "???" (welcher ja soweit man im Internet lesen kann in diversen Bands unterschiedlicher Stilrichtungen aktiv ist) sorgt für einige echte Highlights und verleiht der Musik einige packende Momente. Songs wie "Ritual" oder "Elisabeth" sind absolut radiotauglich (was ja auch per se nichts Schlechtes sein muss) und enfalten bereits beim ersten Hören ziemliche Ohrwurmqualitäten.
Die musikalischen Vergleiche mit einer poppigen Version früher Mercyful Fate (oder, wie in einer anderen Rezension im Internet zu lesen war, einer Mischung aus "Coven und The Rasmus") sind gar nicht weit hergeholt... man meint auch mitunter im Sound von GHOST einige Reminiszenzen an 80er Jahre Gothic Rock vornehmlich britischer Prägung herauszuhören, was aber auch erklärlich ist, da dieser Sound ja auch seine Wurzeln im Rock der 70er hatte - und im Endeffekt erinnern GHOST aber auch sehr an Christian Death zu ihrer "The Scriptures" Phase, auch natürlich mit dem Zusatz der deutlich eingängigeren Musik.
Textlich sind GHOST eigentlich ziemlich lächerlich unterwegs und beacktern in ihren angeblich aus der Parallelwelt gechannelten Lyrics exakt die Themen, welche man erwarten würde und denen sich schon Legionen von Kapellen vor ihnen angenommen haben... Satan, Hexen, schwarze Messen und die unvermeidliche Elisabeth Bathory. Das Tiefgründige anderer Bands, gerade aus der Okkult-Rock Ecke, fehlt den vermummten Kollegen leider bislang völlig, die Lyrics sind dann doch eher platt verfasst - im Jenseits von GHOST scheint man auf sehr seichte Texte zu stehen, welche in der Tat wie das Werk eines 16-jährigen Hobby-Satanisten aus einer langweiligen Chemiedoppelstunde wirken als wie tiefe Einblicke in okkultes Gedankengut...
Wie gesagt: die seit November laufende Non-Stop Berichterstattung und die beständigen Jubelarien werden dafür sorgen, das GHOST im Jahr 2011 eine der Bands sein werden, an der kaum ein Weg vorbeigeht. Inwiefern diese Truppe aber etwas ganz bahnbrechend Besonderes ist (und nicht eine Gruppe guter Musiker mit Blick auf eingängige Songs und cleverer Vermarktung) muss jeder selbst entscheiden - die Band überzeugt definitiv durch ihre technischen Fähigkeiten und die Eingängigkeit ihrer häufig sehr gekonnt komponierten Songs, und daher gefällt mir "Opus Eponymous" schlichtweg gut, nicht mehr und nicht weniger.
Alles in allem: ein ziemlich gutes Album, aber als völlige Sensation empfinde ich die Band bei allem Respekt noch nicht. Ich bin gespannt was von GHOST nach diesem fulminanten Start kommen wird - aber GHOST werden erst noch beweisen müssen, ob sie wirklich Substanz haben oder ob sie nicht als gefeierter Durchstarter von heute der miese Witz von morgen sind.
Knappe 4 Sterne.