INVEST Stuttgart 2011-Buchstand des Börsenbuchverlages.
man bot mir DAS neue Buch über Optionen an ..
Ich: "Gähn"
Weil: "...eine Option bezeichnet in der Wirtschaft ein Recht, eine bestimmte Sache zu einem späteren Zeitpunkt zu einem vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Deshalb wird sie auch als bedingtes Termingeschäft bezeichnet. Es handelt sich ausdrücklich um ein Recht und um keine Pflicht, d. h. der Optionsinhaber, der die Option zu einem bestimmten Preis (Prämie) vom Stillhalter gekauft hat, entscheidet einseitig, ob er die Option gegen den Stillhalter (Optionsverkäufer) ausübt oder die Option verfallen lässt. Eine große Bedeutung haben Optionen im Bereich der Finanzgeschäfte ... blablabla ..."
.... Schnarch, Gähn, eingeschlafen ...
Die Hostess war nett und hübsch. Ein Durchblättern schien sinnvoll.Zwei Seiten hin. Zwei Seiten her. Was auffiel war der lockere Schreibstil und die enthaltenen Übungsaufgaben.
Die Hostess lächelte einmal mehr, versprach Messe-Rabatt, sofern ich eine ehrliche Rezension verfasse. Und da ich selbst seit 3 Jahren Optionen handele, war ich nun im Besitz meines vierten Optionsbuches und dem Versprechen einer Buchbesprechung.
Das Buch war schell gelesen, was blieb ist die Frage: Wie beschreibt man als Rezension den Inhalt einer ansonsten eher trockenen Materie? Ein Versuch:
Seit dem massiven Einbruch der internationalen Börsen in den Jahren 2000 kann vorallem die Hedgefonds-Industrie einen großen Zuwachs an Anlegergeldern verbuchen. Folglich wurden unzählige Fonds der Kategorie "Absolut Return" aufgelegt, um dem Anleger einerseits Sicherheit und andererseits überdurchschnittliche Renditen bei gleichzeitig geringem Risiko zu vermitteln.
Viele dieser Fonds enttäuschten - nicht zuletzt aufgrund der oft zu hohen Renditeversprechen der Betreiber. Im Speziellen waren es jene, die sich auf gefährliche Long-Short-Ansätze konzentrierten und somit der Hedgefonds-Industrie einen Bärendienst erwiesen. Bei diesen Strategien werden fast nur Index-Futures als primäres Handelsinstrument herangezogen. Volatile Ertragskurven - oftmals in negativem Terrain - waren und sind mehr die Regel als die Ausnahme. Der Grund ist auch schnell gefunden: Ein auf Futures basierendes Handelslogik ist immer einer gewissen Unsicherheit ausgesetzt, selbst wenn es mit besten Performancekennzahlen und jahrelanger Erfahrung des verantwortlichen Händlers aufwarten kann. Neben vielen hier jetzt nicht zu erwähnenden Ursachen, ist aber ein grundsätzliche im linearen Bezug von Marktbewegung zu Preisbildung des Handelsinstrumentes zu finden. Dieses "Manko" kann auch durch das durchdachteste Handelssystem niemals gänzlich ausgeräumt werden. Zwar kann diese lineare Funktion durch gezielte Positionsgrößenänderungen gekrümmt, jedoch nicht in eine wirklich vorteilhafte Funktion eines, ich sag mal, "risikoaversen Systems" umgeformt werden. Fazit: Die Entwicklung eines guten Futuresystems bedarf langjähriger Erfahrung - Einstiege, Verluststops, Gewinnmitnahmen, Positionsgrößenalgorithmen etc. müssen aufeinander abgestimmt sein, um sich wenigstens für eine gewisse Zeit erfolgreich im Markt behaupten zu können. Und auch dann schwebt (wie immer im Börsenhandel) unvermeidlich das Damoklesschwert des Scheiterns über solchen Systemen.
Natürlich soll nicht verschwiegen sein, das auch Systeme, die nur mit linearen Finanzprodukten arbeiten, funktionieren und gewisse Vorteile haben: Ein Future ist in der Funktion sehr simpel zu verstehen und in der Praxis einfach anzuwenden. Des Weiteren ergibt sich durch den regen Handel eine hohe Liquidität, was zu engen Spreads und kurzen Ausführungszeiten führt. Das sind mit die entscheidenden Gründe, weshalb auf Futures, aber auch auf Aktien basierende Systeme immer einen Löwenanteil für sich verbuchen können.
Und dennoch: Jens Rabe präferiert bei der Entwicklung von Handellogiken das Produkt: Optionen. Und das, wie ich aus eigener Erfahrung finde, durchaus mit Recht! Der Unterschied zu linearen Finanzprodukten (Futures, Aktien) ist gravierend und auf das bereits erwähnte nicht lineare Verhalten zwischen Marktbewegung und Optionspreisänderung zurückzuführen. Die mathematischen Zusammenhänge einer komplexen Optionskonstellation (Funktion von mehreren Optionen im Verbund) sind mehr oder weniger hochkomplex und erlauben Funktionsgraphen, die mit Futures kaum zu realisieren sind. Aber um durchdachte Modelle entwerfen und vor allem selbst rechnen zu können, bedarf es Grundlagenwissens! Denn der Handel mit Optionen ist ein Genre für sich und die Materie ist grundlegend verschieden zu den bekannten, linearen Systemen. Ich selbst habe seit Jahren begonnen bei IB die Hürden, die Optionen in sich bergen, zu überwinden, und bin meinerseits weit davon entfernt jemals wieder zu linearen Handelsinstrumenten zurückgreifen.
Daher mein Fazit: Dieses Buch ist sehr hilfreich für jene Trader, die Handelssysteme realisieren wollen, deren Funktionsgraphen sich über weite Bereiche der Kursachse nur in positivem Terrain bewegen, ohne dass jemals im Voraus eine Prognose über die zukünftige Marktbewegung getroffen werden musste. Ebenso denke ich, ist dieses Buch für jene Trader ein guter Baustein, die sich und ihr Trading nicht über die Dauer, die sie auf den Tickchart starren, definieren wollen! Auf solide Schreibweise, wird fern des starren mathematischen Definitionsschreibstils, wird neben Grundlagenwissen, auch praxisfähige Optionskonstellationen, und wozu diese in der Lage sind, vermittelt!
5 Punkte!