Athleten, die aus trainingsintensiven Sportarten kommen, sind im Grunde immer auf der Suche nach vielversprechenden Trainingstipps und neuen Methoden. Deshalb werden Ausdauersportler an der Neuauflage der 770 -seitigen Trainingslehre des Erlanger Sportmediziners Jürgen WEINECK sicherlich großen Gefallen finden. Denn wer sich für Hintergründe und Zusammenhänge des Trainings interessiert, wird in diesem international renommierten Buch, das mittlerweile in 8 Sprachen übersetzt wurde, immer wieder neue Denkanstöße für die eigene Trainingspraxis entdecken. Dazu muss das Werk keinesfalls von A bis Z studiert werden, denn das übersichtliche Inhalts- und detaillierte Sachverzeichnis erlaubt sowohl neugieriges Schmökern als auch zielgerichtetes Nachschlagen. An dieser Stelle treten neben Fragen nach der Handhabbarkeit auch Fragen zur Praxisrelevanz als zentrale Qualitätskriterien für die Beurteilung derartiger Bücher hervor. Schließlich ist die Trainingslehre immer auch eine Erfahrungswissenschaft, weshalb es dem engagierten Trainer, Übungsleiter und Sportler möglich sein muss, sich in Lehrbüchern des Faches zurecht zu finden. Genau das sollte mit dem WEINECK gelingen, denn trotz der überaus fundierten wissenschaftlichen Reputation (sportmedizinische Grundlagen) erlauben die thematisierten Wissensbestände, Modelle und verwendeten Begriffe beinahe durchgängig einen schnellen Zugang zu einschlägigen Informationen. Rezepte und vermeintlich letzte Weisheiten sucht man allerdings in diesem Werk vergebens. Was nicht als Kritik, sondern als weiterer Vorteil dieser Trainingslehre verstanden werden soll. Der Leser wird nicht genötigt vaage, schweißtreibende Ideen von Experten nachzutrainieren, die weder ihn noch seine individuellen Voraussetzungen und Ziele kennen. Im Gegenteil, er wird durch die Lektüre herausgefordert, die spezifischen Fragen seiner Praxis zu entdecken, um darauf individuelle Antorten in Form von selbst komponierten Trainingsplänen und –konzepten zu finden. WEINECK gliedert das Wissensgebiet in insgesamt sechs Kapitel. Im ersten Teil geht der Autor unter anderem auf Trainingsprinzipien, die Bedeutung des Wettkampfes, den Energiestoffwechsel der Muskulatur oder Fragen der Talentförderung ein. Der zweite Teil macht mit mehr als 400 Seiten den Kern des Buches aus. Dort wird das Training der motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination) ausführlich dargestellt und erläutert. Abgerundet wird das Lehrbuch mit Hintergrundinformationen zum Technik-, Taktik- und Gesundheitstraining, zum Psychologischen Training sowie zum Aufwärmen, zur Regeneration und Ernährung. Im Vergleich zu vielen anderen Autoren beeindruckt WEINECK durch die umfassende Darstellung trainingsbezogener Kernthemen, die an vielen Stellen durch spannende Vertiefungen, z.B. „Wettkampf als effektives Trainingsmittel“ (S. 67ff.) oder „ Hypnose“ (S. 637), ergänzt werden. Fazit: Wer sich für das Wissensgebiet der Trainingslehre und die damit verbundenen Möglichkeiten der selbstverantwortlichen Trainingsplanung und –auswertung interessiert, sollte dieses Buch im Regal haben!