Das das Objektiv keinen Profiansprüchen genügt, dürfte jedem klar sein. Aber ein 500mm-Objektiv für nur 89 Euro ist ein Wort und da kann man ja mal testen, ob sich die Anschaffung bei heruntergeschraubten Ansprüchen lohnt. 2 Tage lang getestet, hier mein Fazit:
Material:
Das Objektiv kommt in einem Lederbeutel, der Anschluß für Canon wird extra beigelegt und muß erst angeschraubt werden. Das Objektiv ist aus Metall und macht einen wertigen Eindruck. Bildstabilisator ist nicht integriert, ebenso kein Autofucus, daß war mir aber im Voraus klar. Die Verschlußkappe wird nicht aufgesteckt, sondern aufgeschraubt, was manchmal etwas Zeit benötigt. Der rote Punkt zum Ausrichten des Objektivs ist nicht seitlich sichtbar, sondern an der Stirnseite zur Kamera hin angebracht und dadurch beim Aufsetzen des Obektivs nicht zu sehen - ein erster Minuspunkt.
Praxistest:
Wer dem Irrglauben unterliegt, Bilder mit einem 500mm-Objektiv ohne Bildstabilisator aus der freien Hand schießen zu können, wird hier bereits beim ersten Versuch eines Besseren belehrt: durch die hohe Brennweite wirkt sich jedes auch noch so leichte Zittern massiv im Sucher aus, ein scharfes Bild ist so nicht zu erhalten. Da die Blende mit 8 nicht veränderbar ist, sind kurze Verschlußzeiten nur durch eine massive Erhöhung der ISO-Zahlen möglich, bei ISO 100 hatte ich bei strahlendem Sonnenschein nur Belichtungszeiten zwischen 1/100 bis 1/200 - für Freihand immer noch Welten zu lang. Also muß das gute Stativ her - und ich meine wirklich das Gute: mein einfaches, leichtes Stativ war restlos überfordert, die übertragenen Erschütterungen haben praktisch jede Aufnahme versaut. Auch die Einstellung der Spiegel-Vorauslösung hat daran wenig geändert. Also doch das gute Manfrotto herausgeholt und weiter fotographiert. Jetzt sind die Aufnahmen über das Kameradisplay betrachtet brauchbar, aber erst mal die spätere Begutachtung am Bildschirm abwarten. Mich überrascht, wie empfindlich das Objektiv auf die (manuell einzustellende) Entfernung reagiert: nur wenige Millimeter Drehung in die eine oder andere Richtung machen ein 100mtr entferntes Objekt schon unscharf. Mit allen Aufnahmen nun nach Haus und am Bildschirm überprüft: keine einzige der rund 150 Aufnahmen entspricht meinen Erwartungen, die ich bereits vorher sehr nierdrig angesetzt hatte. Entweder sind die Bilder unscharf und/oder wie mit einem milchigen Schleier überzogen. Bisher hatte ich bei jedem neuen Objektiv immer auf Anhieb einige gute bis sehr gute Bilder dabei, hier kein einziges. Aus meiner Sicht ein Fiasko.
Anwendungen:
Abgesehen von dem optisch dabei erlebten Fiasko stellt sich mir inzwischen mehr und mehr die Frage, zu welchem Anwendungszweck ich das Objektiv verwenden soll. Wie gesagt: ohne Spiegel-Vorauflösung und hochwertiges, gut platziertes Stativ geht schon mal gar nichts. Damit fallen die meisten Tieraufnahmen flach, denn welcher Hirsch oder Hase in freier Wildbahn wartet, bis ich alles platziert und eingerichtet habe? Und Aufnahmen im Serengeti-Park aus dem Auto heraus sind mangels Stativ nicht möglich - freihändig geht nix. Also das tägliche Fußballtraining beim SV Werder aufnehmen: geht auch nicht, denn die Spieler bewegen sich ja, und bis ich die Entfernung manuell eingestellt habe und nach Spiegel-Vorauslösung das Bild endlich aufnehme, ist der Spieler schon 10mtr weiter. Und wenn ich Pech habe, kommt auch noch eine Wolke vor die Sonne und dann habe ich ein ganz großes Problem, weil ich dann gleich endlos lange Belichtungzeiten habe. Autorennen und andere Wettbewerbe brauche ich ohne Aufofocus und Bildstabilisator erst gar nicht probieren. Und Menschen oder Gebäude: dafür brauche ich kein solches Objektiv, da kann ich auch einfach näher rangehen. Und bis der Mond wieder so voll ist, daß ich Astroaufnahmen testen kann, so lange warte ich nicht mehr - dazu hat mich das Objektiv zu sehr enttäuscht.
Meine Schlußfolgerung:
Einen Versuch war's wert - mehr aber auch nicht. Wer gute und brauchbare Bilder haben will, der kommt aus meiner Sicht bei diesen Brennweiten um Objektive mit Aufofocus und Bildstabilisator nicht herum und muß dementsprechend tierf in die Tasche greifen. Wem es aber nur darum geht, mit einem 500mm-Objektiv seine Kumpel zu beeindrucken, es aber nie zu benutzen, der hat hier eine der billigsten Varianten und sollte zugreifen. Ich werde es auf jeden Fall gleich zurücksenden und anfangen, auf ein wirklich gutes Objektiv zu sparen.
Nachtrag:
Meine Kamera ist eine EOS 400, die ich sehr liebe, die aber leider über kein LifeView verfügt. Daher mußten sämtliche Scharfeinstellungen über den Sucher erfolgen, Ergebnis siehe oben. Vielleicht lassen sich mit LifeView bessere Ergebnisse erzielen, dies kann ich aber nicht beurteilen.