Der antisemitische Hetzfilm „Jud Süß" von Veit Harlan (1940) bildet wohl den unrühmlichen Höhepunkt der fast unüberschaubaren Zahl von verzerrten Berichten über Joseph Süß Oppenheimer, die seit dessen Hinrichtung 1738 veröffentlicht wurden. Gegen die Legenbildung, die sofort nach dessen Tode begann, setzt Hellmut G. Haasis nun eine detaillierte und spannende Biographie des - so im Untertitel der Studie - Finanziers, Freidenkers und Justizopfers. Der Autor zitiert aus seinen Quellenbeständen, vornehmlich Prozeßakten, sehr ausgiebig. So entsteht ein facettenreiches Bild des 1698 in Heidelberg geborenen Joseph Süß und seines Aufstiegs zum Finanzier und Berater des württembergischen Herzogs Karl Alexander. Vor allem aber zeichnet Haasis sehr genau den Verlauf des geheimen Prozesses dar, der schließlich zum Todesurteil führte, und entlarvt dieses dabei als Justizskandal, als bewußt kalkulierten Mord, keineswegs als Justizirrtum. Joseph Süß Oppenheimer befand sich im Spannungsfeld der Konflikte zwischen dem katholischen Herzog und den evangelischen Landständen. Er war letzteren vor allem als die treibende Kraft der den traditionellen württembergischen Eliten so verhaßten, vom Herzog durchgesetzten, Modernisierung des Finanzwesens ein Dorn im Auge. Dies gepaart mit antijüdischen Vorurteilen erzeugte jene Stimmung, die schließlich zur Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung des „Jud Süß" - so wurde er erstmals während seiner Haft genannt - führte. Am Todestag von Carl Alexander, dem 12. März 1737, wurde Oppenheimer ohne Haftbefehl festgenommen; einer der unzähligen Rechtsbrüche, die Haasis nachweisen kann. Es folgten rechtswillkürliche Akte wie die verfrühte Beschlagnahmung seines Vermögens, die Verweigerung der freien Verteidigerwahl, die Zusammensetzung des keineswegs neutralen Gerichts, usw. Insgesamt fällt der Autor ein vernichtendes Urteil über den Prozeß: „Der ganze Prozeß war eine Farce. Es ging nie darum, die Sachverhalte aufzuklären und sie rechtlich zu würdigen. Schon Mitte 1737 stand das Todesurteil fest." (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)