über jedes album der toten hosen wird hier ja heiß diskutiert - bei jeder platte findet sich jemand, der sagt: "Das ist DIE Hosen-scheibe", und dadrunter steht:"rummst nicht richtig, nicht mehr punk, platt, ausgelutscht...". und über einige dieser alben kann man weiß gott diskutieren (Unsterblich, Zurück zum Glück, Damenwahl). Aber bitteschön: Nicht über diese hier!
"Opium" ist die erste "Eigenproduktion" ohne große Plattenfirma im Hintergrund. und das merkt man zum beispiel an solch sperrigen, unbequemen stücken wie "Ewigkeit", "Fliege" oder "XTC", die man so auf früheren Werken nicht fand, die sich aber nach mehrmaligem hören zu starken songs entwickeln. Der Spannungsbogen zwischen knallenden Brettern, die nach vorne und ins ohr gehen ("Mensch", "Paradies) und ruhigerenn stücken wie "Lügen" oder "Froschkönig" ist perfekt. Gerade diese Liebeslieder gleiten nicht in kitschige Klischees ab, sondern gehen gerade wegen ihrer unterschwelligen textlichen und musikalischen Aggressivität unter die Haut. Textlich gibt es viel Hintergründiges, Nacdenkliches und kritisches - es geht um den menschen und seine Abgründe und die Institutionen die ihn beeinflussen (Kirche!).
Die Single-Auskopplungen wie "Ewigkeit", "Paradies" oder "Bonnie & Clyde" dürfte jeder kennen - und die zehn kleinen Jägermeister hat sicher fast jeder mal betrunken mitgegröhlt. RIchtig stark und interessant sind auf "Opium" aber andere Songs´wie "Seelentherapie", "Mensch", "Lügen" und vor allem "Böser Wolf": Ein Kinder-Glockenspiel leitet in die Beschreibung eines kleinen Mädchens, von dem man erst nach und nach merkt dass es missbraucht worden ist. Beklemmend, verstörend, stark. Und das Gitarrensolo ist dazu nur das i-Tüpfelchen.
Wer also die toten Hosen auf dem Höhepunkt ihres Schaffens hören will, sollte diese CD haben. Besser waren sie meiner meinung nach vorher nie, und kamen danach nur mit "Auswärtsspiel" nochmal in ähnliche Form. Höhepunkte gibt es viele, Ausreißer nach unten fast gar nicht - "er denkt, sie denkt" und "und so weiter" sind zwar etwas schwächer als der rest des albums, aber immer noch gut genug.