Am besten gefällt mir natürlich der Satz: 'Wer geistig fit oder gar genial ist, hat einen Hang zum Alkohol.' Ich werde ihn über mein Weinregal pinnen. Das Buch strotzt vor Einsichten, die einen grinsen oder staunen lassen. Man gewinnt einen neuen Blick aufs Kochen, wenn man erfährt, wie stark chemische Prozesse unsere Ess- und Trinkgewohnheiten und -vorlieben (und auch die Geschichte unserer Esskultur) prägen. In vielen Fällen geht es um eine ordentliche Dröhnung, was etwa erklärt, warum das fade Safran mit solch enormem Aufwand gewonnen wird. Das Gewürz kann einen umbringen, wirkt aber in richtiger Dosierung krampflösend, schmerzstillend und vor allem als Aufheiterer gegen Depressionen (den Kuchen könnte man leichter mit anderen Stoffen gelb färben). Das hat es mit der Muskatnuss gemein, die dem Körper Amphetamine liefert und eine Rauschdroge ist, stark genug, um Nostradamus den Weltuntergang beschwören zu lassen. (Hätte der den Stoff vertragen, gäbe es heute ein paar Hysteriker weniger.) Aber auch Lebkuchen, Pilze, Tomatensoße, Hopfen, Fruchtsäfte oder Cola enthalten chemische Drogen. So nebenbei räumt das Buch noch mit einer Menge von Vorurteilen auf, etwa über die Wirkung von Ballaststoffen auf den Stuhlgang und die vermeintlich wärmende Wirkung von Chili und anderen scharfen Sachen.
Gute Bücher unterscheiden sich von schlechten vor allem dadurch, dass sie dem Leser wichtige Erkenntnisse vermitteln. Nach diesem Maßstab ist es vorzüglich, nicht zuletzt auch, weil es komplizierte Wirkungsmechanismen anschaulich erläutert. Man wird nach der spannenden Lektüre das, was man in der Küche so treibt, anders betrachten. Man lese nur die Ausführungen über die psychogene Wirkung von Petersilie. Ein neues tolles Buch von Pollmer, Niehaus und Co.