Das Opinel ist kein Vitrinenstück für Poliermuschis und Materialfetischisten.
Es ist ein schlichtes, preiswertes Gebrauchs-Taschenmesser, das ausschlieslich zu diesem Zweck (im Jahr 1890!) konstruiert wurde.
Sicher ist die Verarbeitung eher rustikal und die gewählten Materialien nicht auf Augenhöhe mit heutigen PM-Stahl-Carbid-Monstern,
aber dafür bietet es was andere Taschenmesser nur sehr selten haben: CHARME! - und zwar jede Menge.
Wer ein Opinel mit heutigen Taschenmessern vergleichen will, muss lange suchen, bis er eines mit einem ähnlichen Kultstatus finden wird.
Sicher ist ein Schweizer Taschenmesser in einer ähnlichen Preisklasse, aber deren Sahl ist auch nicht schnitthaltiger.
Wer High End mit Kultfaktor und Hightechmaterialien sucht, wird sicher erst in der Preisklasse weit jenseits der 100¤ fündig.
Ein Vergleich mit Taschenmessern von Chris Reeve, Microtech, Spyderco, Benchmade etc. wäre wie ein Vergleich zwischen einer Corvette und eimen Citroen 2cv.
Wer Angst vor Rost hat sollte allerdings darüber nachdenken die Klinge zu patinieren, oder doch eher auf die Rostfreie Variante zurückgreifen.
Wenn man die Klinge patiniert, schmecken die geschnittenen Zwiebeln o.ä. auch nicht mehr nach Blech ;-)
Auch sollte man sich über den angedachten Verwendungszweck im klaren sein.
Ein Taschenmesser mit 1,5mm dicker Klinge ist kein Spaltkeil und auch keine Brechstange.
Auch der Holzgriff wird bei Wasserkontakt aufquellen und dabei die Klingenachse blockieren.
Wenn man das Opinel aber im Rahmen seiner Möglichkeiten verwendet (Picknick, leichte Gartenarbeit, Briefe öffnen, Kartons zerkleinern, schnitzen, ...)
wird man sicher lange Freude daran haben. Und selbst wenn man es einmal verlieren sollte, halten sich bei dem Preis die Tränen sicher in Grenzen.
Das Nachschärfen ist verhältnismäßig einfach, geht schnell und ist auch von Anfängern gut zu bewerkstelligen.
Die dabei erzielbare Schärfe ist sehr gut (mit entsprechender Übung und Ausrüstung).
Die Schnitthaltigkeit ist zugegebenermaßen begrenzt.
Der Virobloc-Verschluß zählt zum Sichersten, was an Verschlußsystemen auf dem Markt ist
und das Opinel ist nahezu uneingeschränkt Öffentlichkeitstauglich und "Sheeple"-freundlich.
Wer also ein günstiges Alltagstaschenmesser mit Kultstatus aber ohne MacGyver-Image sucht, kann hier nicht viel falsch machen.