Das was Justin K. Broadrick schon auf seinem diesjährigen GREYMACHINE-Debüt ("Disconnected") angedeutet hatte, hat der Großmeister zum Glück auch für sein großartiges Projekt JESU beherzigt. Die Zeit der massentauglichen Pop-Gehversuche, welche die beiden vorherigen Mini-CDs "Lifelines" und "Why are we not perfect?" doch recht durchschnittlich erscheinen ließen, scheinen glücklicherweise wieder Geschichte zu sein.
Auf dem brandneuen 4-Tracker "Opiate sun" hat sich Justin K. Broadrick augenscheinlich wieder auf seine kompositorischen Stärken besonnen, und orientiert sich wieder eindeutig an den musikalisch genialen JESU-Frühwerken "Heartache" , "Jesu" , "Silver" und "Conqueror". Und auch wenn auf "Opiate sun" natürlich die ein oder andere Pop-Melodie auszumachen ist - dies war bei dieser Band schließlich schon immer der Fall - so bringen die neuen Songs doch wieder alle Trademarks auf den Punkt, die JESU früher ausgezeichnet haben: Hier dominieren endlich wieder die monotonen, von unsterblich schön ausgearbeiteten Sound-Details flankierten Gitarrenbreitwände !!! Hier regiert endlich wieder diese hypnotisch ansteckende Melange aus MOGWAI , ISIS und TYPE O' NEGATIVE mit seichtem Pop/Ambient-Anstrich.
Bereits beim grandiosen Opener "Losing streak" fällt auf, dass die Produktion ungemein schrammelig ausgefallen ist, wodurch die Musik gleichzeitig authentischer - um nicht zu sagen "dreckiger" - rüberkommt. Dies tut dem Hörvergnügen des 25-Minüters natürlich keinen Abbruch, sondern ist sogar förderlich für den typischen Lava-Sound, den JESU seit vielen Jahren mit Hingabe zelebrieren. Das angesprochene "Losing streak" brilliert vor allem durch seine warmherzigen Melodien im "Conqueror"-Stil, und ist daher ein absolut gelungener Einstieg. Gleiches gilt für den folgenden Titelsong "Opiate sun", der bereits als zweiter Volltreffer zu Buche schlägt. Großmeister Broadrick präsentiert dem Hörer fließbandweise Ohrwurm-Momente auf dem Silbertablett - allein die Gitarrenmelodie gegen Ende ist Gänsehaut pur! - , so dass dieser aus dem Staunen kaum herauskommt. Gesanglich glänzt Broadrick dabei in gewohnt beschwörender Manier, so dass die Parallelen zu Burton C. Bell (FEAR FACTORY) einmal mehr zur Geltung kommen. Fantastisch !!!
Bei den restlichen Songs "Deflated" und "Morning light" gehen JESU dafür ungleich depressiver bzw. Moll-lastiger zu Werke, ohne die ewigen GODFLESH-Vergleiche auch nur ansatzweise zu rechtfertigen. Die Gitarren-Riffs sind noch finsterer, die Songs ingesamt "noisiger" und die Grundstimmung beinahe schon bedrohlich intensiv. Kein Zweifel, diese beiden Tracks hätten ausnahmslos auch auf dem genialen Jahrhundert-Meisterwerk "Jesu" stehen können, ohne das ein Qualitätsunterschied bemerkbar gewesen wäre. Ganz großes Kino !!!
Fazit: Auf ihrem brandaktuellen Veröffentlichung "Opiate sun" schaffen es JESU spielend, wieder an die Genialität alter Glanzzeiten anzuknüpfen. Die vorrübergehende Schwächephase ist entgültig überwunden, so dass alle (!) fanatischen JESU-Fans hier unbedingt zuschlagen müssen. Wer diese Band verpennt ist selber schuld. Sodele, und im Jahre 2010 darf dann hoffentlich das nächste "Full-lenght"-Album dieser unbeschreiblichen, anbetungswürdigen Band bestaunt werden.