Jeffery Deaver ist ein wahrer Meister der Suspence. Wie kaum ein anderer versteht er es, in seinen Bücher den Leser mit seinen Vermutungen und Phantasien über Täter und Ausgang seier Thriller in die Irre laufen zu lassen und immer wieder unerwartete Wendungen und Ereignisse aus dem Hut zu ziehen. Und das Besondere daran ist, dass er dabei im nachhinein auch noch schlüssig bleibt, so dass der Überraschungseffekt einfach nur gut inszeniert, aber im Vorfeld in der Handlung schon verborgen ist.
Das "Kaninchen", das er in seinem neusten Thriller "Opferlämmer" mit dem kongenialen Ermittlerpärchen Lincoln Rhyme und Amelia Sachs aus dem Hut zieht, ist dieses Mal allerdings besonders groß und zunächst einmal lässt die Handlung nur erahnen, welcher Knülleruns als Leser dieses Mal erwartet.
"opferlämmer" beginnt mit einem Knall - im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Anschlag auf einen Linienbus fordert ein Todesopfer und ist der Auftakt zu einer Anschlagserie, die ein Erpresser eines großen Energiekonzerns als Druckmittel inszeniert. Das Besondere an den Anschlägen ist, dass sie mit Strom erfolgen und dass der oder die Attentäter über extremes Insiderwissen über den Energiekonzern, seine Geschäftsführung und die Strukturen verfügen.
Lincoln Rhyme und sein Team werden auf diesen Fall angesetzt und lange Zeit tappen Sie im Dunkeln... nicht nur was den oder die Täter, sondern auch was das wahre Motiv betrifft. Und selbst als der Haupttäter zumindest identifiziert ist, ist der Fall noch lange nicht geklärt und es folgen weitere Anschläge, die noch mehr Opfer fordern.
Gleichzeitig beschäftigt Rhyme noch immer der flüchtige "Uhrmacher" aus einem der Vorgängerromane ("Der gehetzte Uhrmacher"), ein psychopatischer Killer, der sich immer wieder im letzten Augenblick einem Zugriff entziehen kann und der derzeit in Mexiko einen Anschlag vorzubereiten droht. Somit sind es gleich zwei Fälle, die Rhyme und Sachs in Atem halten.
Wie immer ist der Plot von Deaver überaus trickreich gestaltet und dem leser bleibt kaum Zeit zum Atemholen. Vor allem die unerwarteten Wendungen und Auflösungen sind es, die den besonderen Reiz von Deavers Thrillern ausmacht. Im Gegensatz aber zu seinen Vorgängerromanen mit Rhyme und Sachs gibt Deaver in "Opferlämmer" einigen anderen Ermittlern noch mehr Raum - allen voran dem Youngster im Team: Ron Pulaski sowie dem Undercover-Agenten Fred Dellray. Dadurch gewinnt der Roman noch mehr an Tiefe, während die bisherige Konzentration auf das Ermittlerduo Rhyme und Sachs oftmal sehr eindimensional daher kam. Es ist auch hilfreich, zumindest den Roman "Der gehetzte Uhrmacher" vorher gelesen zu haben, da sionst einige der Ereignisse in "Opferlämmer" den unbedarften Leser eher verwirren.
Summa summarum aber ist Jeffery Deaver mit "Opferlämmer" ein astreiner und absolut empfehlenswerter Thriller gelungen, der sich auch in der Hardcoverversion lohnt: 5 Sterne!