Es ist -vom zum Großteil verdorbenen Geschmack des durchschnittlichen Publikums mal abgesehen- kein Wunder, dass sich Filme wie diese kaum durchsetzen. Es wird normalerweise kaum Werbung dafür gemacht und überhaupt lassen Veröffentlichungen oft auf sich warten bzw. man wartet vergebens. Nachdem Arthaus diesen Titel schon lange nicht mehr führt, blieb nur noch die Wahl zwischen alten VHS-Beständen oder eben Import. Endlich ist Tarkowskijs (leider) letzter Film wieder erhältlich, und ich hoffe, dass dessen auch einige Leute gewahr werden. Denn was nützt es, dass der Film erhältlich ist, nur keiner weiss es. Immerhin sah man für diese VÖ etwas Öffentlichkeitsarbeit im Internet.
Der Film behandelt eine Thematik, die -so sperrig der Film auf uns auch zeitweise wirken mag- doch ziemlich direkt auf unsere Kultur und dem Kampf zwischen Intellekt und Geist, Materialismus und Mythos abziehlt. Und das mit einer verblüffenden Leichtigkeit. Anders, als Hanekes (den ich eigentlich schätze, aber bestimmt nicht für diesen Film ->) "Wolfszeit", der sich sehr ausschweifend, kompliziert und letztlich auch -wie mir sogar als "Rationalist" scheint- ohne die nötige Ehrfurcht dem Thema des Glaubens und Opferritus widmet. Zumindest nicht so, wie Tarkowski, den das Glaubensproblem unserer Kultur wirklich beschäftigt hat. Ihm nehme ich im Gegensatz zu Haneke ab, dass es ihm sehr ernst ist und diesen Film aus einem dringenden Bedürfnis heraus gemacht hat, und dadurch wirkt der Film mit enormer Durchschlagskraft auf den offenen Zuschauer ein und wirft größere Fragen auf, als nur ein profanes "was wäre wenn".
Zur DVD: Es gibt zwei davon, und selbst wenn man den Film bereits kennt, lohnt sich die Anschaffung schon wegen der Dokumentation. Leider gibt es nicht die Videoaufnahmen von Chris.Marker (nur Ausschnitte davon), aber dennoch ist es sehr interessant, was sich auf der zweiten Disc befindet. Selbst das mir nur vom hören bekannte Desaster mit der komplexen Plansequenz ist dokumentiert und läd zum mitfiebern und mitleiden ein. Dieses "Making-Of" ist weit besser als manch anderer Film.
Der Hauptfilm liegt in Bildtechnisch zwar guter Qualität vor, aber einige Doppelkonturen trüben doch den cineastischen Hochgenuss. Das fällt aber hauptsächlich bei den Titeln auf. Die dunklen Sequenzen im Film (die normal sind, genauso wie die körnigen SW-Sequenzen) werden ganz passabel wiedergegeben und wurden augenscheinlich originalbelassen und nicht verfremdet oder verschlimmbessert.
Der Ton ist in beiden Fassungen sehr organisch und sensibel abgemischt. Die deutsche Fassung ist übrigens hervorragend. Für Fans von Originalfassungen stellt sich hier die ungewöhnliche Situation dar, dass der Film auch im Original komplett nachsynchronisiert wurde (laut einem Interview mit dem Tonmeister Owe Svensson, der zur besseren Übersicht über das Projekt dennoch Ton am Drehort aufnahm). Ausnahmsweise profitieren wir in diesem Fall von der deutschen Synchronisierwut.
Ich bin glücklich...noch schöner wäre HD, und im Zuge dessen auch gleich alle anderen Tarkowskijs neu abgetastet, inklusive "Nostalghia". Nicht, dass man es zum besseren Verständnis des Filmes bräuchte, aber schön wäre es...
-----Im Zuge der Rezensionsbearbeitung noch eine weitere Ergänzung:
Der Film liegt im 1,66:1-Format vor und ist auch so intendiert. Für Standard-DVDs gilt, dass erst AB einem Seitenverhältnis von 1,77:1 (=16:9) eine Aufbereitung und Formatierung im 16:9-Format Sinn macht. Liegt das Seitenverhältnis darunter, so würde eine 16:9-Fassung Verfahrensbedingt im DVD-Standard mit Abstrichen einhergehen, es sei denn es würde neu abgetastet und der Bildausschnitt an 16:9 angepasst werden. Aber in Anbetracht, dass der Film für 1,66:1 sehr kompakt kadriert wurde (also es wrid voll ausgenutzt) und dass man einfach nicht mal so eben was von einem Bild abschneiden sollte - noch dazu von Sven Nykvists Kameraarbeit -, ist diese Auswertung in 4:3 folgerichtig und logisch.