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Operation Rot-Grün - Geschichte eines politischen Abenteuers
 
 
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Operation Rot-Grün - Geschichte eines politischen Abenteuers [Taschenbuch]

Matthias Geyer , Dirk Kurbjuweit , Cordt Schnibben
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Matthias Geyer
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Von einer "historischen Irrfahrt", wie noch in der Vorankündigung des Verlags, ist im Untertitel nun nicht mehr die Rede. Bei genauerer Betrachtung scheinen die Autoren den zweifellos nicht immer sonderlich gradlinigen Kurs der rot-grünen Regierung also für nicht mehr ganz so ab- bzw. irrwegig zu halten. Ein Abenteuer freilich ist der Regierungsversuch der Mannschaft von Gerhard Schröder und Joschka Fischer in ihren Augen geblieben. Doch wäre er dies wohl auch für jede andere Regierung gewesen, die nach sechzehn Jahren Helmut Kohl die notwendigen Sanierungsarbeiten am deutschen Staatsschiff hätte in Angriff nehmen wollen. Dass die Autoren dies bei der kritischen Bilanz der bisherigen Arbeit der Regierung Schröder als mildernden Umstand in Rechnung gestellt haben, ändert nichts daran, dass sie mit ihr äußerst kritisch ins Gericht gehen.

Auch wenn im Blick auf die Regierung Schröder viel von enttäuschten Hoffnungen die Rede ist: Eigentlich hatte man sich 1998 gar nicht mehr erhofft, als endlich einen anderen Kanzler als Helmut Kohl. Tatsächlich verdankte Schröder den 98er-Wahlsieg "nicht einem auf Absichten und Programmen basierenden Wählerauftrag, sondern einer seltsamen Mischung aus Überdruss, Kalkül und Zufall". Vor allem aber verkörperte Schröder, wie es im Vorwort sehr treffend heißt, "'irgendwie' den Neuanfang".

Der mit einem Wahlprogramm des Ungefähren errungene Sieg habe, bilanzieren die Autoren, seine Fortsetzung in einer "schaukelnden Regierungsarbeit" gefunden, deren lediglich drei Konstanten zu ihrem Markenzeichen geworden wären: "Kommission einsetzen (Rente, Zuwanderung, Gesundheit, Hartz), deren Ergebnisse öffentlich diskutieren lassen, abwarten, was überlebt, und das dann zögerlich und halbherzig umsetzen; Etikettenpolitik ('Neue Mitte', 'Deutscher Weg', 'Ruhige Hand') und symbolische Inszenierungen (Holzmann, Green Card, Eliteuniversitäten) als Politikersatz; handwerkliche Schlamperei bei der Gesetzgebung, 'Nachbessern' als Machttechnik."

Wie man an diesen Zeilen unschwer ablesen kann: Ein Gefälligkeitsgutachten ist dieses Buch ganz sicher nicht! Und dennoch: "Rot-Grün war eine Notwendigkeit", heißt es am Ende, weil es notwendig gewesen sei, dass "diese Generation die politische Verantwortung für die Bundesrepublik tragen musste". Nur so habe sich überhaupt etwas bewegen können, ohne zu großen Verwerfungen in der Gesellschaft zu führen. Bedenkenswert! -- Andreas Vierecke

Kurzbeschreibung

September 1998: Jubel, Autokorsos, Partys, Helmut Kohl ist abgewählt, Aufbruchstimmung. Rot – Grün will Deutschland moderner, sozialer, liberaler machen. Warum ist die Republik so anders geworden, als sie werden sollte? Mehr als sechs Jahre verfolgten Reporter des SPIEGEL das Geschehen im Kabinett und in den Regierungsparteien. Sie dokumentieren die Irrungen und Wirrungen von Regierenden, die in Zeiten der sozialen Krise, der Globalisierung und des Terrorismus zu Getriebenen werden. Matthias Geyer, Dirk Kurbjuweit und Cordt Schnibben haben die Details zu einer Inside-Story zusammengefügt, die erzählt, mit welchen Finten und Tricks in Berlin gearbeitet wird, wenn es um die Visa-Affäre, die Agenda 2010 oder den Kampf gegen den Terror geht. Den drei Autoren – alle preisgekrönte Journalisten – ist ein Sachbuch über modernes Regieren gelungen, das in den Maschinenraum des deutschen Politikbetriebes schaut und sich liest wie ein Doku-Roman der Berliner Republik.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kompakt und gut 3. Juni 2008
Von Mechtgret Stratenkötter TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Vorab: Wer eine dissertationswürdige wissenschaftliche Abhandlung einer Regierungsära erwartet, ist hier falsch. Das schließt aber eigentlich der bewußt trivial, ja reißerisch gewählte Titel bereits sichtbar aus.

Drum darf man diesem Buch attestieren, genau das zu sein: Eine abenteuerlich und durchaus packend erzählte, nur gelegentlich und tendenziell, dann aber passend ins Fiktive abdriftende Geschichte. Ich jedenfalls hatte Spaß beim Lesen, habe oft genug "aha!" und "ach was?" gedacht und kann das Buch jedem empfehlen, der sich für die Materie interessiert - und eben nicht gerade eine Vorlage für eine Diplomarbeit sucht.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Grutzpalk
Format:Taschenbuch
Man kann es sich leicht machen und dem Buch zu wenig Seriosität vorwerfen. Damit läge man nicht falsch, denn die nachgestellten Dialoge zwischen den Protagonisten des rot-grünen Regierungsprojektes klingen oft gestelzt und unrealistisch.

Und doch wird man auf Dauer kein besseres Buch über diese Regierung bekommen. Es hat den Mut zum Schweinsgalopp, fügt auch Unzusammenhängendes unter verbindenden Thesen zusammen und hat dadurch einen Zug, der es lesbar macht. Wie bei jedem Parforceritt kann man sich über die Details trefflich streiten, aber immerhin hat es mal jemand gewagt, sieben Jahre rot-grün (inklusive 11. September, Hochwasser und Agenda 2010) auf knapp 300 Seiten zusammenzufassen. Das allein macht das Buch lesenswert.

Gelungen sind auch die historischen Abrisse am Anfang jeden Kapitels, die dem Leser noch einmal schlaglichtartig wichtige Ereignisse der Zeit vor Augen führen. Und manche der Geschichten rufen einem deren ganz privaten Zusammenhang wieder in Erinnerung. Man erwischt sich dann bei Gedanken an die Zwiebeln, die man gerade schnippelte, oder die Hemden, die man bügelte, während man diese oder jene Neuigkeit aus dem Radio erfuhr.

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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dichtung und Wahrheit 7. März 2006
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
„Operation Rot-Grün“ ist spannender zu lesen als so mancher Roman. Und das, obwohl man ja eigentlich weiß wie es ausgeht. Der gnaden- und rücksichtslose Machtkampf der Spitzenpolitiker ist abstoßend und faszinierend zugleich.

Die drei Reporter des Spiegels rasen auf 330 Seiten durch sechseinhalb Jahre bundesrepublikanische Politik. Dabei versuchen sie erst gar nicht eine distanzierte und ausgewogene Bewertung von Rot-Grün zu liefern, sondern gestalten die jüngste Geschichte der Berliner Republik zu einem wahren Politikkrimi aus der Sicht der Hauptdarsteller.

Der lange Weg der 68er an die Spitze der Republik beginnt 1983 in der Bonner Kneipe „Provinz“, wo sich die Nachwuchspolitiker Schröder, Fischer und Schily treffen, um vom Alkohol beschwingt von der Macht zu träumen. 15 Jahre später wird Gerhard Schröder ohne Plan, ohne Konzept zum Kanzler gewählt, da die Bevölkerung Helmut Kohl überdrüssig ist. Die persönlichen Abneigungen und konzeptionellen Unterschiede der drei Protagonisten (Schröder, Lafontaine, Müntefering) werden bewusst verschwiegen, um im Wahlkampf Harmonie vorzutäuschen.

Dies ist der Hintergrund der katastrophalen ersten sechs Monate von Rot-Grün. Mitreißend beschreibt „Operation Rot-Grün“ das brutale innerparteiliche Mobbing von allen Beteiligten, was schließlich zu Lafontaines Rücktritt führt.

So emotional geht es weiter. Es ist amüsant zu lesen, wie Schröder in den Kabinettssitzungen Hans Eichel mit „Hans, nun lass mal gut sein“ abkanzelt oder die Frau von Peter Struck den Kanzler anschnauzt „Wir brauchen dich nicht. Für den Peter geh ich auch putzen“.

Die Frage ist nur: Was ist wahr und was haben die Autoren nur erfunden, um den Unterhaltungswert zu erhöhen. In den unzähligen Zitaten, teilweise aus Vier-Augen Gesprächen der Politiker, gibt es keinen einzigen Hinweis, wie man an diese vertraulichen Informationen gekommen ist. Das stört zwar das Lesevergnügen nicht (das Gegenteil ist der Fall). Der Leser sollte aber nie vergessen, dass es sich bei „Operation Rot-Grün“ nicht um einen Tatsachenbericht, sondern lediglich um eine unterhaltsame Mischung aus Fiktion und Wahrheit handelt.

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