P.J. Richards ist ehrgeizig, so ehrgeizig, dass sie fast darüber das wahre Leben vergisst. Mit drei anderen männlichen Agenten von FinCom nimmt sie acht Wochen lang an einem Trainingsprogramm teil, dass von den Navy SEALs für sie ersonnen wurde. Eine Zusammenarbeit zwischen den Agenten wird für die Zukunft erwünscht, wovon die SEALs überhaupt nicht begeistert sind. Ihrer Meinung nach ist die Ausbildung der anderen Agenten nicht umfassend und hart genug, was alleine schon daran bewiesen ist, dass eine Frau dabei ist. Eine Frau sollte beschützt werden und nicht im Kugelhagel ihren Mann stehen müssen, von den anderen Strapazen einer Ausbildung ganz zu schweigen. P.J. sieht das aber völlig anders, sie ist jung, ehrgeizig und körperlich bestens trainiert, ihr einziges Handicap ist ihr Geschlecht. Deshalb muss sie besser und gewitzter sein als ihre Mitbewerber, eine mittelmäßige Leistung reicht da nicht aus. Daryl 'Harvard' Becker fällt es schwer, eine Frau nicht zu beschützen oder ihr zu helfen, ständig ist er um P.J. besorgt und versucht sehr zu ihrem Missfallen, ihr die Ausbildung zu erleichtern. Bis zu dem Zeitpunkt, als aus einer Übung tödlicher Ernst wird und P.J. die Einzige ist, die für eine spezielle Aufgabe geeignet ist.
Beide können einfach nicht aus ihrer Haut. Harvard wurde sein ganzes Leben dazu erzogen, Frauen Respekt zu erweisen, sie zu beschützen und ihnen zu helfen, wo es geht. Für ihn ist es selbstverständlich, dass es einfach Sachen gibt, die Frauen einfach aufgrund ihrer Konstitution nicht können. P.J. sieht das ganz anders. Ihr ganzes Leben ist darauf ausgerichtet, genau so gut wie ein Mann zu sein, wenn nicht sogar besser. Denn besser muss sie sein, sonst würde sie von den Männern nicht akzeptiert werden ' ihrer Meinung nach. Sie ist wütend darüber, dass Harvard ihr unauffällig die Ausbildung erleichtern will, einfach nur, weil dieser Charakterzug tief in ihm drin steckt. P.J. kann das einfach nicht akzeptieren, für sie ist ein Zeichen von Schwäche, was sie auf keinen Fall sein will. Zähne zusammengebissen und immer mit dem Kopf voran, dabei keine Zeit für Privates, so geht P.J. durchs Leben. So übersieht sie allerdings recht schnell, dass es vielleicht wünschenswerter wäre, wenn sie auf einem Gebiet herausstechen würde, anstatt in allen nur gut zu sein. Sie ist nämlich eine ausgezeichnete Scharfschützin, aber nur zu schießen ist ihr zuwenig.
Langsam lernen beide, aufeinander zuzugehen. Harvard fällt es schwer, nicht automatisch zu beschützen, aber er nimmt sich sehr zusammen, was ihn noch sympathischer macht. Er versteht P.J., erwartet gleichzeitig auch von ihr Verständnis. Ihr fällt es wesentlich schwerer, so dass sie ziemlich verbissen und egoistisch wirkt. Ihre beiden Mitkonkurrenten sind nicht wirklich der Rede wert, schade, dass die Autorin hier kein richtiges Kräfteverhältnis eingesetzt hat. So wirkt die ganze Geschichte etwas aufgesetzt, das Ende sowieso. Man fragt sich, wie so etwas passieren konnte, bei den so gut ausgebildeten SEALs. Zum Schluß greift Brockmann tief in die Romantik Kiste, dabei gerät sie schon haarscharf an die Kitschgrenze. Allerdings wiederum auch ein schöner Beweis, wozu Menschen in der Lage sind, wenn ihnen die Kugeln um die Köpfe fliegen.
Fazit
Harvard ist ein sehr edler Charakter, neben ihm kann kaum jemand anderer bestehen. P.J. gelingt es nicht ganz zu überzeugen, ihre Verbissenheit macht sie unsympathisch. Trotzdem können beide ihre Überzeugung überwinden, ihre Annäherung ist realistisch und nachvollziehbar. Beim Ende braucht man unbedingt eine kugelsichere Weste, die Ereignisse überstürzen sich geradezu, was leider nicht zu der vorherigen Behäbigkeit der Geschichte passt. Suzanne Brockmann beweist viel Phantasie, etwas weniger wäre realistischer gewesen.