Nachdem ich mit "Eisstation" und "Die Offensive" nach langer Suche zwei Romane gefunden hatte, die ohne ausufernde Einleitungen, überflüssige Füllszenen und häufige Wiederholungen auskommen, mußte selbstverständlich auch Scarecrows dritter Auftritt her. Und ich muß leider sagen, daß ich ein wenig enttäuscht bin. Während sich maßlos unrealistische Passagen (für Reillys Verhältnisse) in den ersten beiden Teilen fast noch in Grenzen hielten, trägt der Autor hier meiner Ansicht nach unausgesetzt viel zu dick auf, was sich unter anderem an dem viel zu oft verwendeten (in der Realität nicht existierenden) "Maghook" festmachen läßt. Fällt Scarecrow oder jemand aus seinem Team mal in unausgelotete Tiefen oder gleich aus einem Flugzeug, wird der Maghook gezückt, und - peng, bumm, wuuusch - hängt er sich mit dem Ding einfach irgendwo fest und die Situation ist gerettet. Das war mir dann doch ein wenig zu comichaft, was von den hier zitierten lautmalerischen Ausdrücken noch deutlich verstärkt wird. Während Reilly seine Stärke in "Eisstation" noch wohldosiert einsetzt und sich größtenteils auf die gelungene Beschreibung von Feuergefechten und Kampfsituationen beschränkt, gibt es hier Verfolgungsjagden zu Wasser, zu Lande und in der Luft, die die Grenze zum Absurden häufig derartig überschreiten, daß sich jedes Videogame dahinter verstecken kann. Hierfür spricht auch, daß das vom Team im Einsatz mitgeschleppte Waffenarsenal in der Realität jeden Bodybuilder zum Zusammenbrechen bringen würde. Und falls sie mal gebraucht werden, hat man auch noch feuerfeste Leichensäcke dabei oder in der entsprechenden Situation zufällig einen Fallschirm auf dem Rücken.
Außerdem hatte ich den Eindruck, daß die deutsche Übersetzung deutlich zu wünschen übrig läßt. So werden Scarecrows Gegenspieler beispielsweise sehr häufig als "Bad Guys" bezeichnet, im englischen Sprachraum eine gängige Bezeichnung, aber im Zusammenhang mit einem ansonsten deutschsprachigen Text wirkt dies eher gekünstelt und möchtegern cool.
Reilly ist noch nie ein Meister der auf den Punkt gebrachten Charakterisierung gewesen, aber hier tauchen einige Figuren auf, die besser in ein Batman-Heft gepasst hätten, oder noch besser zu den Simpsons. Allen voran fällt mir hier der "Schwarze Ritter" Aloysius Knight ein, allein die Beschreibung seiner äußeren Erscheinung ist dermaßen überzogen, daß Reilly hier die Grenze zum Trash für mich überschritten hat.
All dies hätte gut funktioniert, wäre aus dem Text eine gewisse augenzwinkernde Sicht auf die Figuren und das Geschehen zu erkennen gewesen, aber Reilly nimmt sich und seine Story ernst. Für mich entstand der Eindruck, Reilly habe sich selbst übertreffen wollen, leider ist ihm dies nur in Bezug auf die völlig ausufernde Action gelungen, denn in einem solchen Maß wie hier gab es sie noch nirgendwo.
Dennoch spricht für das Buch, daß es zu Beginn losgeht und bis zum Schluß nicht aufhört, ohne in Geschwafel zu verfallen. Aussagen wie "nachdem man sich durch die ersten 200 Seiten gekämpft hat, wird es interessant..." oder "50 Seiten vor Schluß ist der Autor dann an den Punkt gekommen, an dem die Inhaltsangabe auf der Rückseite beginnt" braucht man hier nicht zu machen.
Trotzdem: hier wäre weniger mehr gewesen.