Die CD mit Aufnahmen aus fast allen Puccini-Opern (wobei die weniger bekannten wie Manon Lescaut oder Suor Angelica im ganzen kaum weniger Gewicht erhalten als die Hits Butterfly, Tosca, Turando und La Boheme) hinterlässt bei mir zwiespältige Gefühle.
Auf der einen Seite steht Operngesang in seiner urtümlichsten und dabei hoch beeindruckenden Form, wie er in einer gewissen Hinsicht sein soll: dramatisch, begeistern, jubilierend, leidend, klagend - die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen mit viel Herz und Seele auslotend und das mit einer Stimme, die von ihrem natürlichen Wohlklang und ihrer Fülle her überzeugt und bezaubert und technisch sauber eingesetzt wird. Das ist 'große' Oper und zelebriert den Charakter der Oper als 'Volkskunst', die sie ja gerade in Italien zu Zeiten Puccinis (wo Scharen von Menschen begeistert und berührt im Theater saßen) war. Wenn man Oper als Sinnbild der menschlichen Seele und der menschlichen Schicksale sieht, dann wird das hier eindrücklich zelebriert, beeindruckt und berührt. Für jeden ein Genuß, der intensive Emotionen erleben und dabei eine schöne und gute Stimme genießen und einen mit ganzer Seele beteiligten Menschen erleben will.
Der etwas regelmäßige Opernhörer wird von dem Ansatz in manchen Stunden seines Lebens vielleicht auch begeistert sein. Meist aber wird ihm mit der Dauer der Aufnahme die mangelnde Liebe zum Detail fehlen, die nicht vorhandene Feinheit der Artikulation (relativ gesehen, im Vergleich zu anderen), die geistige Durchdringung der Musik und des Gesangs. Die Linienführung ist durchgehend fließend und selbst in wuchtigen Passagen eher weich, die Vokalfarbe immer (freilich prächtig) blumig, nie geerdet oder angeraut. Hier spürt man viel Herz und Seele der singenden Frau, vergleichweise weniger ihren Geist. Man sieht eine Blumenwiese und einen sprinkelnden Bach, nicht die Erde, die die Wiese trägt und den Fels, aus dem das Wasser entspringt.
Fazit: Eine schöne, durchaus empfehlenswerte Aufnahme, aber für mich nicht die ganz große Kunst.