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Aber ehrlich gesagt gewinnt dieses Album nach ungefär zehnmaligem Hören. Nehmen Sie es nur nicht als mehr als das, was es ist: einfach Yes von der mehr simplistischen und halbkommerziellen Seite der Band. Ein Rock-Album.
Einer der besten Songs auf »Open Your Eyes« ist die Ballade »From The Balcony«, die der Stil vom Anderson Bruford Wakeman Howe-Album berührt. Eine andere gute Ballade ist die halbwegs symphonische »Universal Garden«, die nahezu Yes'isch klingt.
Der ohrenschleicherische Titelsong und das Eröffnungsnummer sind beide ganz gute Rock-Songs - sie sind nun Mal ein Bißchen mehr simpel als wir Yes-Fans es gewohnt sind von der Band.
»Open Your Eyes« schließt mit einer Art Sound-Collage ab. Anders. Aber eigentlich ganz interessant und gut, sobald Sie sich daran gewöhnen.
Sicher, die Form der Kompositionen ist vergleichsweise einfach für Yes-Verhältnisse. Aber die Faszination steckt zunächst mal im Detail. Liebevoll arrangiert sind die Songs. Einzig Love Shine und Somehow,Someday sind etwas schlampig aufgenommen, was sehr, sehr selten vorkommt bei Yes. Der überwiegende Teil der Musik aber besticht durch knifflige Arrangements, die langsam ihre Schönheit und Tiefe entfalten.
Faszinierend ist aber auch die Stilvielfalt. New State Of Mind klingt, als ob Yes nebenbei den Funk-Rock erfunden hätten, auf ihre ganz eigene Art. Fortune Seller hat einen mitreißenden Gospel-Touch, Man In The Moon ist fast schon ein groovendes Motown-Stock. In Wonderworld gibt es gar Krautrock-Assoziationen. Universial Garden ist ein exotisches Mini-Epos. Und der Titelsong rockt mit Swing.
Alles neu, und trotzdem alles Yes pur. Wer jetzt meint, die Band würde sich bewährten Stilen anbiedern, muss sich eines Besseren belehren lassen. Yes absorbieren hier Stile in ihren ganz eigenen Kosmos.
Open Your Eyes ist übrigens hauptsächlich das Werk von Bassist, Background-Sänger und Yes-Seele Chris Squire und dem damaligen hoch talentierten Neuzugang Billy Sherwood, zweite Gitarre neben Steve Howe, Keyboards, Backing Vocals. Eigentlich sollte daraus ein eigenes Projekt der beiden werden. Steve Howe und Sänger Jon Anderson steuerten zwar noch genug eigene Ideen bei, sind aber diesmal nicht so einflussreich.
Egal, Open Your Eyes macht sehr viel Spaß. Yes ist die Band, die fast immer nach vorne blickt, die Band des Perpetual Change, wie einer ihrer frühen Songs heißt. OYE gehört zwar nicht zu den allerbesten Album, ist aber ein feines Steinchen im großen Puzzle dieser wunder-vollen Band - im Yes-Kosmos wären es vier Sterne, hier aber gibt's fünf, weil OYE das verglichen mit vielen anderen Alben von allen möglichen Musikern und Bands, die hier fünf davon bekommen, durchaus verdient.
Übrigens, ebenfalls 1997 veröffentlichten Yes Keys To Ascension (aufgenommen kurz vor Open Your Eyes), das dann doch ein Retro-Album ist, aber was für eins. Keys ist der einzig echte Blick zurück, den Yes sich je gönnten, klingt aber frisch und gar nicht angestaubt. Zweimal Yes in 1997, zwei verschiedene Versionen, zwei neue Sterne im Yes-Universum.
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