Die österreichische Musikerin Violetta Parisini gehört zu den starken Frauen, die ihre Stimme nicht einem dicken Housebeat unterwerfen und von einem Rapper anpeitschen lassen. Hier wird leicht artifiziell, aber trotzdem poppig, wenig ausgeschmückt einer Art Singer-Songwriter-Musik gefrönt, die man vielleicht als NuPop bezeichnen könnte. Künstlerinnen wie Soko, Lisa Mitchell, Boy und Eliza Doolittle kann man da durchaus vergleichend erwähnen. Violetta Parisini unterwirft sich nicht dem Perfektions-Diktat, sondern macht einfach ihre Musik und erzählt darüber, was ihr am Herzen liegt: "Wir müssen alle toll ausschauen, funktionieren, gesellschaftsfähig und im Idealfall auch glücklich sein. Ich weiß, mich macht Musik glücklich. Trauer, Depression und Wut muss ich ausdrücken, bevor es wieder gut wird. Mit Musik geht das am besten." Dabei setzt sie nicht auf überbordende musikalische Arrangements, sondern auf Klarheit und Einfachheit. Im Zentrum stehen auf ihrem zweiten Album das Klavier und ihre Stimme irgendwo zwischen Gesang und Poetry-Slam, die ebenso sanft wie rau klingen kann. Und textlich geht es der 31jährigen Autodidaktin, die gerade dadurch stark wirkt, dass sie ihre ganze Verletzlichkeit zur Schau stellt, um das Streben und die Sehnsucht nach dem ganz individuellen Glück. Wer sucht das nicht?
Bestimmt keine Platte für jederzeit, aber für immer mal wieder.