Vieles hat sich geändert im Wilden Westen. Auch hier kann man als Cowboy seine Viehherde nicht mehr einfach so irgendwo grasen lassen, ohne sich mit Viehzüchtern anzulegen, die diese Weidefläche als ihr Eigentum ansehen. Das müssen Boss Spearman (Robert Duvall), Charley Waite (Kevin Costner) und ihre beiden Helfer am eigenen Leib spüren, als der skrupellose Rancher Denton Baxter (Michael Gambon) die vier Männer in einer Nacht- und Nebelaktion überfallen lässt. Dabei stirbt der gutmütige Mose (Abraham Benrubi) und der erst 16-jährige Button (Diego Luna), der von Boss aufgelesen und liebevoll versorgt wurde, wird schwer verletzt. Diese Ungerechtigkeit können der ruhige Boss und der Revolverheld Charley nicht auf sich sitzen lassen. Sie reiten nach Harmonville, das fest unter der Fuchtel von Baxter steht und kämpfen für Gerechtigkeit. Dabei stoßen sie teils auf Ablehnung, finden aber auch schnell Einwohner, die gemeinsame Sache mit ihnen machen, unter anderem die Schwester des Arztes (Annette Bening), von der besonders Charley sehr angetan ist.
"Open Range" ist ein klassischer Western, wie man ihn auch vor 40 Jahren hätte drehen können. Cowboys, eine typische Wild-West-Stadt, die Guten kämpfen gegen die Bösen, ein finaler Shoot-Out und ein korrupter Sheriff sind nur einige der typischen Klischees, die dieser Streifen bedient. Das soll jetzt aber nicht negativ klingen, denn Kevin Costner ist nach mehreren Flops wieder mal ein richtig guter Film gelungen. Es macht einfach Spaß, nach all den Special-Effects-Orgien, die Hollywood in letzter Zeit hervorbrachte, wieder einmal einen wohltuend ruhigen Film zu sehen. Die Story dürfte zwar jedem, der schon einmal einen Western gesehen hat, hinlänglich bekannt sein und auch das Ende sollte wohl keinen groß überraschen, aber die großartige Umsetzung macht "Open Range" zu einem sehr sehenswerten Film. Obwohl das Finale äußerst bleihaltig ist, ist hier Gewalt nicht nur ein Selbstzweck, sondern wohl das letzte Mittel, die Gerechtigkeit zu wahren. Zum Glück, denn übertriebene Rachegelüste der beiden Protagonisten hätten dem Film sicher nur geschadet.
Positiv aufgefallen sind mir die schönen, stimmigen Bilder, die (zumindest auf der Kinoleinwand) fast plastisch wirken und die kurzweilige Handlung, bei der trotz 138 Minuten Laufzeit keine Langeweile aufkommt (wobei sich Costner hier und da etwas kürzer hätte fassen können).
Erlesen ist das Ensemble von "Open Range". Ausnahmslos liefern alle Darsteller eine gute Vorstellung ab. Herausragend ist dabei Altstar Robert Duvall, der als wortkarger, weiser Cowboy mit viel Charisma und herrlich trockenem Humor glänzt.
Alles in allem ein sehenswerter Western und endlich wieder eine geglückte Regiearbeit von Kevin Costner.