Gespannt habe ich dieses Buch erwartet. Als es nach langer Verzögerung endlich eintraf musste ich jedoch enttäuscht feststellen, dass es leider sehr viele inhaltliche Fehler enthält. Nachfolgend sind 26 historische und fachliche Fehler und Ungenauigkeiten auf den 16 Seiten des Kadett A-Kapitels aufgelistet.
S. 16
- Auftrag zum Bau des Kadett A erfolgte 1957 durch GM und nicht 1959 durch Beschluss der Opel-Geschäftsführung. Auch die Standortsuche begann bereits 1957.
- Edward W. Zdunek war Vorstandsvorsitzender und nicht Generaldirektor der Adam Opel AG
- Die Kohlekrise im Steinkohlebergbau kündigte sich bereits 1957/58 an, nicht erst in den 'Sechzigern'
S. 18
- Die Fotos entstanden - laut Beschriftung des Opel Classic Archivs - am 20.8.1962 bei der Präsentation des Kadett A in der Frankfurter Kaiserstraße (oben) bzw. auf dem Messegelände (unten). Eine IAA gab es 1962 in Frankfurt nicht.
S. 19
- Die Investitionssumme betrug für das Grundstück 300 Mio. und für Gebäude, Einrichtung und Maschinen 1,1 Mrd. DM, zusammen also 1,4 Mrd. und nicht 1,3 Mrd. DM.
- falsche Chronologie im Text: auf den Produktionsbeginn am 10.10.1962 folgt die Präsentation am 20.8.1962
- Beginn der (Vor)produktion war im August 1962. Der 10.10.1962 war der Tag der Werkseröffnung und offizieller Beginn der Serienproduktion.
- Das Foto zeigt ein Versuchsfahrzeug in Skandinavien und nicht bei einer 30.000 km-Testfahrt
- Die Entwicklung des Kadett A dauerte von 1957 bis Februar 1960, also ca. drei Jahre und nicht fünf
- Der Motor des Vorkriegs-Kadetts war ein Langhuber mit 1,1 Liter, der Kadett A-Motor dagegen ein Kurzhuber (vgl. S. 21: 'quadratischer Kurzhuber', also nicht "extrem kurzhubig") mit 1,0 Liter
S. 21
- Hubraum 993 nicht 992 Kubikzentimeter (vgl. S. 124)
- Nockenwelle nicht 'obenliegend' sondern "seitlich hoch liegend'
S. 23
- Die Vorderachse hatte nur eine Querblattfeder (falscher Plural); sie diente der Federung und nicht der Dämpfung
- Die Teleskopstoßdämpfer der Hinterachse dienten der Dämpfung und nicht der Federung
- Entwicklungszeit ca. drei Jahre, nicht fünf
- Kein Autohersteller möchte kurzfristige modische Erscheinungen berücksichtigen; die mehr oder weniger lange Entwicklungszeit ist dafür nicht der Grund, sondern die möglichst lange Verkaufszeit. Opel selbst hat in den fünfziger Jahren aus Marketinggründen jährlich ein neues Modell präsentiert. Der Grund für die "klassische Optik' (gemeint ist wohl die Pontonform statt des moderneren Kurzwagens) des Kadett A waren Überlegungen zur Zweckmäßigkeit und zum Nutzwert. Man wollte gerade eine zeitlose und KEINE modische Form schaffen.
- Die Karosserie bestand aus deutlich mehr als 12 Blechteilen
- Länge 3923 mm, nicht 3932 mm
- 1 Meter hohe Heckflossen gab es auch bei amerikanischen Straßenkreuzern 'in jenen Jahren' nicht
S. 27
- Foto links unten spiegelverkehrt
S. 28
- Kadett L: auffälligstes Merkmal (eloxierte Seitenfensterrahmen, fehlende Zierleisten) werden nicht genannt
- Der Caravan wurde von Anfang an mitentwickelt und nicht etwa der Bedarf 'alsbald erkannt'
S. 29
- Welches sind die zahlreichen staatlichen Institutionen, die den Caravan orderten?
S. 31
- Verdichtung falsch angegeben: "7,8 auf 8,8" statt "7,8:1 auf 8,8:1'
- Kühlergrill erstreckt sich nicht über gesamte Breite. Stattdessen schließen die Chromrahmen der Scheinwerfer seitlich an diesen an.
S. 124-125
- Technische Daten unvollständig; es fehlen z.B. Beschleunigung, Abmessungen und Gewichtsangaben.
Schade, dass der Autor sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht hat, die einschlägige Literatur zu konsultieren oder Kontakt mit denjenigen aufzunehmen, die sich damit auskennen. Damit hätten sich die genannten Fehler vermeiden lassen.
Die Fotos stammen leider ausschließlich aus dem Opel-Archiv, so dass man sie alle schon mal irgendwo gesehen hat. Wer ein Buch über alle Kadett-Modellreihen sucht, kauft lieber das 1993 im selben Verlag erschienene doppelt so umfangreiche Standardwerk der Autoren Reifenrath, Fuths, Schrahe und Schrott zum halben Preis.